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Manfred Karge 2011 im Berliner Ensemble.
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Manfred Karge 2011 im Berliner Ensemble.

Manfred Karge

Seht, die Wirklichkeit!

  • Dirk Pilz
    VonDirk Pilz
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Fragen und hoffen: Zum 80. Geburtstag des Schauspielers und Regisseurs Manfred Karge.

Derzeit darf das Wiesbadener Theaterpublikum seine vielfach erprobten Regiekünste erleben. Am Staatstheater hat Manfred Karge „Die Antigone des Sophokles“ inszeniert, die adaptierende Fassung der griechischen Tragödie durch Bert Brecht (FR v. 22. Januar). Brecht, das ist eine der Konstanten im schaffensreichen Leben Manfred Karges. Von 1958 bis 1961 studierte er an der „Ernst Busch“ Schauspiel – und wurde danach von Helene Weigel umgehend ans Berliner Ensemble engagiert.

Der Mauerbau half dabei, dass Karge sich schnell auf der Bühne zeigen durfte – er sprang für Kollegen ein, die im Westteil wohnten und sich nicht überzeugen ließen, in den Osten umzuziehen. Karge war 23 Jahre als, als er als Ansager in Brechts „Arturo Ui“ debütierte. Und bereits 1963 war er erstmals auch Regisseur, gemeinsam mit seinem Freund Matthias Langhoff, auch Schauspieler und Regieassistent am BE damals. Gemeinsam erfanden sie die später gerühmten szenisch-lyrischen Brecht-Abende, berühmt auch deshalb, weil sie sich einige Freiheiten (und Frechheiten) gegenüber dem strengen (oder dogmatischen) Brecht-Spiel-Stil erlaubten.

Berühmt, wirklich berühmt wurde Karge aber 1964 als Filmschauspieler, in dem Defa-Film „Die Abenteuer des Werner Holt“ von Joachim Kunert war er der gefährliche, verführerische Hitlerjunge Wolzow – und wurde mit Marlon Brando verglichen. Aber Karge widerstand der Star-Karriere und wechselte 1969 gemeinsam mit Langhoff an die Volksbühne zu Benno Besson. Sie blieben bis 1978, und ohne Inszenierungen wie Schillers „Räuber“ (1971) oder die Uraufführung von Heiner Müllers „Die Schlacht“ (1975) hätte es die legendenumwobene Besson-Ära als Höhepunkt des DDR-Theaters nicht gegeben.

Das Duo Karge/Langhoff arbeitete später in Hamburg und in Bochum, als Claus Peymann dort Intendant war. In Bochum wurde auch Karges eigenes Solostück „Jacke, wie Hose“ (1982) uraufgeführt und danach vielfach andernorts inszeniert.

1986 endete die Zusammenarbeit mit Langhoff jedoch – Karge wechselte mit Peymann ans Wiener Burgtheater, 1999 dann auch ans Berliner Ensemble. Er war hier wieder vermehrt als Schauspieler zu sehen, und als ein Regisseur, dem vor zwei Jahren etwa die bemerkenswerte Uraufführung von Volker Brauns „Griechen“ gelang, ein Stück „weh vor Wut“.

Das Theater als Ort der gesellschaftskritischen Befragung der (kapitalistischen) Wirklichkeit, auch als Ort anderer Hoffnungen, schöneren Seins – diese Idee hat Karge nie aufgegeben. Dem Werk seines Freundes Heiner Müller und der Auseinandersetzung mit Brecht blieb er entsprechend immer treu. Wie auch seiner Schauspielschule: 1993 wurde er an der „Ernst Busch“ Professor für Regie. Das Lehren ist ihm wie so wichtig geworden wie das Spielen und Inszenieren.

Vor 80 Jahren wurde Manfred Karge in Brandenburg geboren. Heute feiert er seinen Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch.

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