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„Schwiegermutter und andere Bosheiten“ an der Komödie Frankfurt: Schuld ist aber Uwe

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Von: Judith von Sternburg

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Henrike (l.) und Gerda, hier als Mutter. Foto: Helmut Seuffert
Henrike (l.) und Gerda, hier als Mutter. © Helmut Seuffert

„Schwiegermutter und andere Bosheiten“ an der Frankfurter Komödie.

Schwiegermütter haben den schlechtesten Ruf der Welt, was absolut lächerlich ist, aber Dementi helfen nichts. Es reicht, dass das Wort Schwiegermutter in einem Titel vorkommt, und die Leute fangen schon an zu kichern. Denn zugleich liegt eine gewisse Heiterkeit im Raum. Das Wort Schwiegermutter ist ein bisschen wie das Wort Fritzchen: Gleich kommt garantiert ein Witz.

Außer den Schwiegermüttern hoffen auch alle, dass der Witz auf Kosten der Schwiegermutter geht. Da liegen sie diesmal falsch. Gerda ist die Sympathieträgerin des Abends. Das liegt an Karin Buchali, die zwar penetrant ist, aber auch lustig und goldig. Dazu kommt, dass in Alexander Olligs „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ die anderen Bosheiten viel schlimmer sind. Schlimm ist vor allem: Uwe. Das merkt man aber erst nach und nach.

Die Komödie Frankfurt zeigt unter der Regie von Udo Schürmer und in einem lichten Wohn- und Esszimmer von Tom Grasshof vor allem eine klassische Beziehungsgemurkelgeschichte. Henrike und Bernhard stehen vor der Trennung, ihre Freundin Claudine und Uwe (!) stehen vor der Hochzeit. Wie so oft im Leben und Theater kommt aber alles nicht richtig vom Fleck. Gepackte Koffer überall, stattdessen verbringt man Zeit miteinander. Bernhard versetzt Uwe später am Abend einen Kinnhaken und hat Gründe dafür. Gerda hingegen, Henrikes Mutter, ist eigentlich nur die friedliche Zuschauerin. In der Kinnhaken-Szene, sie bedauert das sehr, ist sie nicht einmal anwesend. In wunderbar wechselnden Garderoben (Petra Freimuth-Panosch) schlängelt sie sich bloß immer wieder in die Handlung hinein, die personifizierte Neugier, nicht die personifizierte Gemeinheit. Alter macht entspannt in Beziehungsfragen, das ist vielleicht eher der Punkt.

Er langweilt sie halt

Wer das sanfte, eher lauernde Crescendo mag, ist hier richtig. Dirk Waanders ist ein ziviler Bernhard, der sein Langweiligsein mit so viel Noblesse trägt wie seinen Anzug von der Stange. Tanja Schumann als von Bernhard gelangweilte Henrike vermittelt einen guten Eindruck von der Frau in der oft unterschätzten Midlifecrisis. Unterschätzt, weil Frauen in der Midlifecrisis immer noch relativ vernünftig sind. Sie langweilen sich halt. Katharina Hadem ist ihre optimistische Freundin Claudine, die auf Ralf Stech als Uwe reingefallen ist. Aber das wird sich, wie gesagt, klären, auch wenn Fragen offen bleiben. Zum Beispiel: Ist Uwe etwa noch schlimmer als gedacht?

Sittlich ist es immer enttäuschend, dass ein Mann, der einem anderen Mann eine runterhaut, Frauen damit irgendwie doch imponieren kann. Kann er aber.

Komödie Frankfurt: bis 26. Juni. www.diekomoedie.de

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