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Der Paketbote ist unterwegs.

Mousonturm

Schwerbelastungskörper

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"Superquadra" , eine dünne Performance im Mousonturm.

Auf der Bühne stehen einige Puppenhäuschen, später wird ihnen die eine oder andere Wand eingeschlagen. Darüber schwebt eine dreiteilige Leinwand. Links vorne an einem Tisch wird gemischt und zugeschaltet. Die Menschen auf der Bühne sind schwer verkabelt, eine davon, Caroline Kühner, bewegt die Figuren, die Namen haben wie Oskar, Konrad oder Friedensreich Regentag (eine Anspielung vermutlich). In „Superquadra: FFM“ scheinen eher keine Frauen zu leben.

Die 60-minütige Performance dieses Titels haben Hanke Wilsmann und Jost von Harleßem alias F. Wiesel entwickelt, der Frankfurter Mousonturm ist einer der Koproduzenten und stellt „Superquadra“ in seinen Themenschwerpunkt „Eine Stadt wie Frankfurt“.

Auf der Leinwand flimmerts und zuckts, 3D-Modelle drehen sich, bedeutsame Wörter werden aus dem Off gesprochen, „Implementierung“, „Steuerungskörperschaft“, „Eichquanität“. Es geht um Architektur. Um ein Fantasiebauprojekt für vier Millionen Einwohner. Irgendwie wird dauerhaft daran rumgewerkelt – bis zur „67. Iteration“, liest man –, irgendwie erfährt man aber nur, dass ein Pilz durch die Gänge wächst. Paketbote (und Püppchen) Oskar hat seine Probleme damit, so kommt es dann eben zur Zerstörung einiger Wände, durch die der unerschrockene Oskar einen Kühlschrank (alias „Schwerbelastungskörper“) bis zu Konrad schiebt, weil der was Schweres braucht, um die Belastbarkeit des Bodens zu testen. Die Szenen in den Puppenräumen sind sehr kurz; dabei sind sie in dieser Stunde das einzige, das ein wenig Pfiff und schrägen Humor hat. Betonung auf wenig.

Sonst entsprechen der Aufwand und die große Geste – eine „Vision von Stadt“ soll entstehen – dem dürftigen Ergebnis in keiner Weise. Ein schwarz-weißer Bericht, vermutlich des hr-Fernsehens, über den „großen Hessenplan“ wird in Bruchstückchen eingespielt. Ebenso etwas über die Hamburger Grindelhochhäuser. Aber ehe es interessant werden kann, ist es schon weg. Die zwei von F. Wiesel, sie studierten in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft, pflegen eine Schnipsel-und-Mix-Ästhetik wie im Internet, sie lassen es flackern und springen, die Gesichter der leiernden, auch im Video zu sehenden Sprecher werden verfremdet. Das ist auf der Bühne im Grunde von gestern, wenn nicht gar vorgestern.

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