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Das Theater Willy Praml in der Naxoshalle: Auch Hamlet ist Gast am Schwanensee. Foto: Rebekka Waitz
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Das Theater Willy Praml in der Naxoshalle: Auch Hamlet ist Gast am Schwanensee.

Frankfurt

„Schwanensee“ mit dem Theater Willy Praml: King Lears Tschaikowski-Träume

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das Theater Willy Praml würdigt auf höchst originelle Weise „Schwanensee“

Selbst wer das Theater Willy Praml und seinen Einfallsreichtum kennt, wird angesichts dieser Premierenankündigung ungläubig den Kopf schütteln: „Tschaikowski. Schwanensee“. Platz wäre in der Frankfurter Naxoshalle ja für viele viele Schwäne, ein Orchester dazu – aber dass man sich das nicht leisten können muss, dass ein fabelhafter Pianist, Leonhard Dering, dazu das bestens aufgelegte Praml-Ensemble plus vier kleine Tanzschulen-Schwäne völlig ausreichen, das wird an diesem knapp 90-minütigen Abend bewiesen.

Als Geschenk an den langjährigen, demnächst 80 werdenden Prinzipal Willy Praml hat Michael Weber, der die Theatergruppe jetzt in ihr 31. Jahr führen wird, „Tschaikowski. Schwanensee“ inszeniert. Praml erklärt darin das Ballett und die Handlung, sitzt aber auch als King Lear am See, die weißen Haare im Wind: „Spottet meiner nicht! Ich bin ein schwacher, kind’scher, alter Mann“. Was für eine berührende Idee.

Nie soll sie ihn befragen

Auch Shakespeare macht also mit, ein bisschen jedenfalls. Gleich zu Anfang tritt Sam Michelson als Hamlet auf, im todschicken Glitzer-Skelett-Body, später wird er der Totengräber auch noch sein, im Hintergrund der Halle Schaufel um Schaufel ausheben, während auf der spiegelnden Fläche des Sees der Prinz und Odette, die an der Tanzabteilung der Musikhochschule ausgebildeten Andreas Bach und Victoria Söntgen, ihre Liebe und ihren Tod tanzen. Birgit Heuser ist ein unwirscher Schwarzer Schwan, Jakob Gail trägt scheinbar nur die Requisiten rein und entpuppt sich dann als grantiger Rotbart. Dering begleitet indessen live und wie der Teufel, und das berühmte „Nie sollst du mich befragen...“ aus dem Lohengrin wird einige Male, vom Band, eingespielt.

Es gibt außerdem einen lustigen wie poetischen Film (Rebekka Waitz), Bach fährt darin als Prinz – in samtenem Wams, Kappe und weißen Strumpfhosen – mit der Straßenbahn durch Frankfurt, bis es dunkel wird, auch Odette wartet auf die Bahn, läuft ihr hinterher in wippendem Tutu. Einmal steht „Desire“ vorn am Fahrzeug. Als sich die Leinwand später noch einmal senkt, sieht man einen schlafenden Willy Praml, hört seine sonore Stimme mit einem Text von Michel Houellebecq, der beginnt: „Ich weiß nicht, ob ich konservativ bin, aber ich glaube nicht, dass der Mensch – ebenso wie die anderen Tiere – für das Leben in einer sich ständig verändernden Welt gemacht ist.“

Für Praml hat sich die Welt durch einen Schlaganfall verändert. Für sein Theater hat sich die Welt durch die Pandemie verändert. Man hat freilich viel geprobt und vorbereitet und feiert nun trotzdem die 30/80 Festwochen, deren nächste Premiere Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ sein wird.

Theater Willy Praml , Naxoshalle Frankfurt: 27., 28., 29. August. www.theaterwillypraml.de

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