Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Und immer wieder braucht man Trost.
+
Und immer wieder braucht man Trost.

Peeping Tom „Moeder“

Schmerzensmütter und -kinder

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Blutendes Herz: Die belgische Tanztheater-Gruppe Peeping Tom zeigt die Uraufführung von „Moeder/Mutter“ im Pfalzbau in Ludwigshafen.

Die belgische Tanztheater-Gruppe Peeping Tom um Gabriela Carrizo und Franck Chartier hat sich so langsam durch Haus und Familie hindurchgearbeitet: Start war 2002 mit „Le Jardin“ im Garten, dann kam „Le Salon“, als nächstes „Le Sous Sol“ – gespenstisches Treiben im Keller –, es folgten „32, Rue Vandenbranden“, „For Rent (A Louer)“, 2014 schließlich „Vader“. Ein „Moeder / Mutter“-Stück war also unausweichlich, es hatte jetzt im koproduzierenden Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen seine Uraufführung.

Die beiden Macher von Peeping Tom haben von Anfang an eine charakteristische, wiedererkennbare Theater-Tanz-Mischung entwickelt. In einem Bühnenbild, das von der Stehlampe bis zum Ohrensessel und der Kaffeemaschine realistisch daherkommt, passiert Surreales und tun Menschen doch eher seltsame Dinge – und das auch dann, wenn sie gerade nicht in wilde Zuckungen und halsbrecherische Verrenkungen ausbrechen. Manchmal wirken diese Leute wie Untote, mindestens aber Geistesabwesende, sacht Irritierte. Die Welt springt mit ihnen um, die Zeit springt mit ihnen um, sie wissen beileibe nicht immer, wie ihnen geschieht. Es sind bisweilen aufblitzend lustige, meist aber melancholische, gelegentlich trauerschwere Stücke. Und im Fall von „Moeder“ gibt es Szenen, angesichts derer manch Zuschauer den Pfalztheater-Saal verlässt.

Als Museum sollen wir diesmal den Schauplatz auffassen, es könnte ein großbürgerliches Haus sein, in dem ehemals jemand Berühmtes gelebt hat (Bühnenbild: Amber Vandenhoeck, Peeping Tom). In einer Art Vorspiel – ehe das Dach aufreißt, Tageslicht hereinfällt – patschen die Akteure durch (nur akustisch markiertes) Wasser. Eine junge Frau rutscht aus, strampelt, findet keinen Halt auf dem Boden, ertrinkt fast, wird schließlich herausgezogen aus der imaginären Flut. Eine ältere Frau schreitet – pitsch, patsch, pitsch, patsch – hinter einem Putzfrauenwägelchen: Ist sie die Mutter, wollte die junge Frau zu ihr?

Es werden immer mehrere mögliche Mutter-Figuren ins Spiel gebracht. Eine der Darstellerinnen entbindet, röhrt dazu Janis Joplins „Cry Baby“. Eine Museumsbesucherin versucht, ein Wald-Gemälde unter ihren Rock zu schieben, angeblich hing es in der Küche ihrer Mutter – „Mama kocht Suppe in der Küche“, „Mama hängt in der Küche an der Wand“ jammert sie in Variationen. Das Kind der ersten Frau ist inzwischen in einem Brutkasten gelandet, es ist aber bereits sechs oder sieben Jahre alt. Die Eltern feiern Geburtstag mit ihm. Später feiern sie Geburtstag mit einer im Brutkasten eingezwängten Erwachsenen. Später hat eine zweite Schwangere entbunden, mit grotesk langen Gummiarmen und blutigen Händen ist sie eine Getriebene, von unsichtbaren (Gefühls-)Mächten Verbogene. Der Mann versucht sie umarmend einzufangen; bald hat aber auch er seinen Schmerz nicht mehr unter Kontrolle.

„This is a sad day“, sagt zu Beginn und zuletzt (das Dach schließt sich wieder) der Schauspieler Simon Versnel. Der Tod ist von Anfang an gegenwärtig in diesem Stück, auch der schreckliche Verlust eines Kindes. An der Seite der Bühne hängt ein Madonnenbild, im Hintergrund die anatomische Zeichnung eines Herzens. Wenn am Ende aus letzterem Blut auf den Boden sickert, bleibt durchaus offen, ob es das Herz einer Schmerzensmutter, eines Schmerzensvaters oder eines seine Mutter betrauernden Kindes ist.

Peeping Tom mit „Moeder“ auf Tour: 20.-22. Oktober Schauspiel Köln. www.peepingtom.be

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare