Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Theater Willy Praml

Wie sie ihm schleierhaft blieb

Länge, Breite, Bombast, Intimität, Sinn und Sinnlichkeit: Das Theater Willy Praml fährt in der Frankfurter Naxoshalle zu Saisonbeginn groß auf. Mit "Schwarze Jungfrauen" und Hebbels "Gyges und sein Ring".

Länge, Breite, Bombast, Intimität, Sinn und Sinnlichkeit: Das Theater Willy Praml fährt in der Frankfurter Naxoshalle groß auf. Im Hauptschiff, wenn man es so nennen darf, gibt es zuerst "Schwarze Jungfrauen", das aus Interviews mit Musliminnen entstandene Monolog-Stück von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. Nach einer raffinierten Überleitung und einer prosaischen Erholungspause wird im Seitenschiff Friedrich Hebbels "Gyges und sein Ring" gezeigt. Das passt so gut, dass man japsen könnte. Hier die jungen, überwiegend verschleierten Migrantinnen, die ihre Umgebung zum Teil nicht mehr ablehnen, als sie von ihr abgelehnt werden. Dort Königin Rhodope, deren Gatte Kandaules sie seinem besten Freund zeigt und damit sein eigenes und ihr Todesurteil spricht: Er hat einfach nicht begriffen, was es für Rhodope heißt, unverschleiert gesehen zu werden. Dass Birgit Heuser als Rhodope so gar nicht indisch wirkt, lenkt den Blick geschickt weg vom Ost-Westlichen, hin zu einem Widerstreit zwischen Tradition und Lässigkeit - wobei die individuell wirkende Lässigkeit nicht nur aufgeklärt, sondern auch ignorant gegen eine andere Vorstellung von Individualität ist.

Als Theater ist das so üppig wie ausgetüftelt umgesetzt. Im ersten Teil können wir zwischen den Monologisierenden wandeln. Hier sitzt eine Entnervte auf einem Jeep und regt sich über Sex-Werbung auf. Dort salbadert ein Mädchen unterm Sonnenschirm über Eurozwerge. Die Texte sind zum Teil nicht helle, aber aufschlussreich. Die bei einem Frankfurter Casting gefundenen Darstellerinnen hingegen sind sensationell, völlig bei der Sache, zugleich völlig bei uns. Da einige von ihnen im Laufe des Abends den Schleier abnehmen werden, kann man sich noch einmal von der durchschlagenden Wirkung desselben überzeugen, egal, wie man dazu steht.

Denn jetzt sammeln sich die Schwarzen Jungfrauen im Nebenschiff zum Chor, um zu erzählen, wie Gyges den Ring fand, der unsichtbar macht. Zwei Tote liegen bereits da: Der Übergang zum Hebbel-Stück ist dessen Anfang und Ende zugleich. Nach der Pause sitzt das Publikum wie auf den Schnüren einer dreireihigen Perlenkette und erlebt die Mitte. Ein Laufsteg ermöglicht fabelhaft langgezogene Auftritte. Das Fabriktor kann zur Frankfurter Nacht hin geöffnet werden, ein Licht- und Schattenspiel jagt das andere. Links arbeitet der Trommler Johannes Ruppel.

In der artifiziellen Stimmung gelingen dennoch Charaktere: Im Zentrum Michael Weber als Kandaules, eitel, sympathisch, modern. Er wär ein Tropf, wenn er kein König wär. Heuser ist Heuser, verblüffend, eigen. Claudio Vilardo als schöner, starker Gyges ist mit sich im Reinen, ohne langweilig zu sein. Im Nu sind überhaupt 225 Minuten um. Davon gut 200 Minuten von einer Komprimiertheit und Intensität, von der mancher Anderthalbstünder nur träumen kann. Dabei war Bombast doch das falsche Wort. Theater ist das richtige. Nichts wie hin.

Theater Willy Praml, Frankfurt: 4.-6., 10.-12., 18.-20., 24.-26. September. www.theater-willypraml.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare