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Jede Scheibe hat auch eine weniger sonnige Seite. Foto: Felix Grünschloß
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Jede Scheibe hat auch eine weniger sonnige Seite.

Theater

„Rund oder Spitz“ in Frankfurt: Wer findet Platz auf der gelbgoldenen Seite des Lebens?

  • VonAndrea Pollmeier
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„Rund oder Spitz“: Ein Jugendprojekt des Schauspiels beleuchtet Brecht aus heutiger Frankfurter Sicht

Auf der Erde gibt es stets eine Licht- und eine Schattenseite. Während wir hier den Tag erleben, ist auf der anderen Seite der Erde dunkle Nacht. Eine goldene und eine schwarze Scheibe symbolisieren im Jugendtheaterstück „Rund oder Spitz. Weltordnungen“ diese hellen und dunklen Seiten des Lebens. Die Zweiteilung ist im Stück kein Naturgesetz und somit schicksalhaft von Anfang an gegeben. Die dunkle Scheibe wird vielmehr eigenhändig in die Szene getragen und dort fest installiert. Auch die Zuweisung, wer zur schwarzen und wer zur gelbgoldenen Scheibe Zugang hat, wird von den Menschen anhand strenger Regeln selbst festgeschrieben. Ein gleichmäßiger Wechsel, den der Sonnenlauf in der Natur jeden Tag von Neuem herbeiführt, ist in dem von Menschen gemachten System nicht vorgesehen.

Mit Hilfe dieser zentralen Symbolsprache (Bühne und Kostüme: Michaela Kratzer) haben zehn Jugendliche am Jungen Schauspiel Frankfurt in der Regie von Martina Droste ein Theaterprojekt nach Bertolt Brechts Gräuelmärchen „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder reich und reich gesellt sich gern“ gestaltet. Brechts Parabel auf die Welt zeigt, dass „Wohl und Weh“ im Leben entscheidend vom Unterschied zwischen arm und reich bestimmt sind.

Willkür im Hier und Jetzt

Wie sehr solche menschlichen Regeln den eigenen Alltag prägen, haben Ayse Alatas, Chaula de Lossantos, Schlomo Ettling, Lilith Langhammer, Alexandre Mbonigaba, Farid Naghshbandi, Ibukun Ayomide Ogunbiyi, Domenica Schroeter, Emmanuel Skatchkov, Louis Umbach im Stück sichtbar gemacht. Bei Brecht werden Menschen je nach ihrer runden oder spitzen Kopfform gruppiert und hierarchisiert. Dass die Kriterien willkürlich festgesetzt sind, ist offensichtlich. Ähnliches erlebt das inklusive und vielsprachige Ensemble aktuell im Hier und Jetzt.

In reflektierenden Sequenzen, die dem Brecht-Stück eingefügt sind und die Vielfalt der Weltordnungen anhand eigener biografischer Erfahrungen spiegeln, werden diese Zusammenhänge sichtbar. So erklärt etwa Alex, wie koloniale Rassentheorien, die von außen in die Gesellschaft von Burundi und Ruanda eingebracht worden waren, später in einen Völkermord gemündet sind und viele Menschen zur Flucht gezwungen haben.

Aber nicht nur in fernen postkolonialen Regionen gibt es Denkstrukturen, die es nur Auserwählten erlauben, auf der gelbgoldenen Scheibe Platz zu nehmen. Nach welchen Kriterien die zehn Jugendlichen selbst in jeweils unterschiedlichen Gruppen eingeteilt und beurteilt werden, führen sie in lebhaftem Wechsel vor. Pass, Herkunft, Hobbies, Spaß am Tanzen, Kletterkunst, Haar- oder Hautfarbe – welche Bedeutung diesen Kriterien zugesprochen wird, hat der Einzelne nicht selbst in der Hand. Doch auch, wenn man ausgegrenzt werde, könne man versuchen, sich nicht als Opfer zu fühlen, sondern stark zu bleiben, meint Domenica: „Ich habe keine Angst, weil ich stark bin“.

Konsequent geht die Inszenierung den diversen Spuren der Mitwirkenden nach, zeigt, wie Können und Schwächen sich komplementär ergänzen und im fürsorgenden Miteinander niemand zurückbleiben muss. So geht auch beim Auf und Ab im Schlussapplaus niemand verloren.

Schauspiel Frankfurt, Jugendtheater- Projekt in den Kammerspielen: 10. Juli. schauspielfrankfurt.de

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