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„Ruhe! Wir drehen!“ in der Komödie Frankfurt – Und bitte nicht lachen

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Von: Sylvia Staude

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Diva, Produzent, „junge Naive“: Dreh-, aber nicht Spielpause für Anouschka Renzi (l.), Wolff von Lindenau, Silvia Maleen. Foto: Helmut Seuffert
Diva, Produzent, „junge Naive“: Dreh-, aber nicht Spielpause für Anouschka Renzi (l.), Wolff von Lindenau, Silvia Maleen. © Helmut Seuffert

In „Ruhe! Wir drehen!“ in der Frankfurter Komödie gehen Filmaufnahmen auf einer Theaterbühne aufs Lustigste schief.

Wenn ein Theaterpublikum ein Theaterpublikum spielt – beziehungsweise „Schwenkfutter“ sein soll, wie der Filmregisseur es etwas uncharmant nennt –, können allerlei verborgene Talente ans Licht kommen. In der Frankfurter Komödie wird bereitwillig das allerdringendste „Pssst“ geliefert (nein, wir brauchen dafür noch nicht einmal ein Textblatt) und ein tadellos erschrockenes „Oh!“. Nur bei der Anweisung, doch bitte nicht zu lachen, schwächeln die Komparsen und Komparsinnen doch sehr. Und das, obwohl das erschrockene „Oh“, das sie pünktlich liefern sollen, einen Grund hat: in dieser Film-Theater-Theater-Geschichte stürmt ein eifersüchtiger Ehemann die Bühne und erschießt Starschauspielerin Anne. Oder eher: möchte sie erschießen. Wir sind in einer komödiantischen Tragödie, niemand kommt also zu Schaden.

Wie vor dem Jahreswechsel das Wiesbadener Staatstheater mit „Mord auf Schloss Haversham“, ein großartig albernes Stück um die aus den Fugen gehende Aufführung einer Laientruppe, so schichtet nun auch das Frankfurter Theater mit „Ruhe! Wir drehen!“ von den Franzosen Gérald Sibleyras und Patrick Haudecoeur diverse fiktive Ebenen zu einem spaßigen Abend. Denn im Theater soll ein Film gedreht werden – Titel: „Ein Star ist tot“ –, in dem es um eine Theateraufführung geht, so dass, logisch, das echte Publikum das fiktive Publikum geben muss. Leider sind auch die versprochenen Snackpäckchen für die Drehpause fiktiv. Andererseits dauern die „Dreharbeiten“ keine acht Stunden, wie angedroht, sondern nur angenehme zwei.

Einen südlichen (wohl italienischen) Prachtbau mit Buchs, Brunnen und breiter Treppe deutet Tom Grasshof an; Kerstin Laackmann, Kostüm, sorgt für 20er-Jahre-Diven-Schick bei Anouschka Renzi, die den launenhaften Filmstar gibt, und Silvia Maleen, als „junge Naive“ natürlich in Rosa gekleidet und blond onduliert. Maleen könnte nicht besser durchblicken lassen, dass, wenn bei diesem Dreh jemand wirklich kein bisschen naiv ist, es ihre ehrgeizige, buchstäblich elektrisierende Nachwuchsschauspielerin Lola ist.

Der Regisseur des Films, Steffen Laube, ist selbstverständlich in die fesche Lola verliebt und scheint allen Ernstes zu glauben, er könne sie mit einem Leben in Bruchköbel und Ausflügen in den Taunus locken – womöglich hat Regisseur Thomas Schendel (alias der reale Regisseur) die deutsche Übersetzung Dieter Hallervordens da regional angepasst. Lola freilich hat sich längst dem Regieassistenten, Pascal Spielvogel, zugewandt, denn der hat ein Drehbuch für einen rührenden Film geschrieben, in dem sie ihre erste Hauptrolle bekommen soll. Jedoch kann das Geld für den Film eben nur von Anne kommen, die nicht mehr ganz jung ist, aber reich und immer noch ein Kassenmagnet. Man kennt diese Typen und Konstellationen.

Inklusive des ausgerechnet bei der Mafia Spielschulden anhäufenden Ehemanns der Diva, Wolff von Lindenau als Produzent. Und inklusive des wahren Naiven: Dirk Waanders als Schauspieler Mario, der von seiner überragenden Aura schwärmt, dabei ständig übersehen wird und auch dann noch im Dienst der Kunst alles geben will, wenn er seine (Film-)Gattin tatsächlich erschießen soll.

Ines Arndt ist die resolute, jedes Problem lösende Aufnahmeleiterin, Arzu Ermen die türkische, nicht so gut Deutsch sprechende, daher vieles missverstehende Maskenbildnerin. Und Karsten Kramer, von dem im Programmheft vermerkt ist, dass er vom 16. Februar an den Regieassistenten geben wird? Wir meinen, wir hätten ihn schon gesehen .... aber pssst.

Komödie Frankfurt: bis 12. März. www.diekomoedie.de

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