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„Rent a Friend“ an der Komödie Frankfurt: Wie man sich reinreitet

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Von: Katja Sturm

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„Rent a Friend“: Lächelnd im Schlamassel: Grote (l.) mit Saskia Valencia. Foto: Helmut Seuffert
„Rent a Friend“: Lächelnd im Schlamassel: Grote (l.) mit Saskia Valencia. © Helmut Seuffert

„Rent a Friend“ an der Komödie Frankfurt erzählt einmal wieder davon, wie Lügen einem über den Kopf wachsen.

Für einen Freund hat Sarah keine Zeit. 365 Tage im Jahr, 24/7, lebt die Investmentmanagerin, die mit Immobilien jongliert und am Handy hängt, für ihren Job. Ihrem anspruchsvollen Vater, den sie nur alle fünf Jahre sieht, gaukelt sie einen erfolgreichen Verlobten vor: einen Schönheitschirurgen, Typ George Clooney, der auch noch beeindruckend gut Tennis spielt.

Als das nächste Treffen mit dem Erzeuger vor der Tür steht, wird bei einer Agentur aus der Not heraus ein Leihexemplar engagiert. Doch statt des bestellten Erfolgsmenschen mit silbergrauem Haar klingelt ein Jungspund im Skaterlook. Das Ergebnis einer Verwechslung, Umtausch ausgeschlossen. „Modelle 50plus sind Mangelware, seit es Parship gibt“, erklärt der Irrläufer.

Besonders einfallsreich klingt das nicht. Theaterstücke mit sehr ähnlichem Inhalt sind schon oft über den Boulevard gegangen. Um’s vorwegzunehmen: Das erst im Januar 2022 uraufgeführte „Rent a Friend“ aus der Feder des Berliners Folke Braband, der in der Frankfurter Komödie auch Regie führt, enttäuscht insofern nicht, dass all das eintritt, was von Beginn an vorhersehbar ist.

Tom Grasshof hat für die knapp zwei Stunden lange Inszenierung ein schickes Appartement in elegantem Grau und Petrol eingerichtet. Selbst der Pezziball, auf dem sich die Geschäftsfrau (Carolin Freund) rückenfreundlich räkelt, während sie unablässig weiter kommandiert, ist mit Stoff überzogen. Mietobjekt Gabriel (Pascal Simon Grote), der hier mit seinen Schlabberhosen überhaupt nicht reinpassen will, wird kurzerhand umgestylt, weil frau natürlich alles dafür im Schrank hat. Nun muss er sich schnell noch die wichtigsten Fakten über den erdachten Witwer aneignen. So gerüstet tritt der Vertreter „Big Daddy“ Karl (Giovanni Arvaneh) gegenüber, der dem Wissen seiner Tochter nach als Millionär auf einer eigenen Insel in der Karibik lebt. Begleitet wird der Macho von der temperamentvollen Juanita (Saskia Valencia), die ihre betont exotische Herkunft mit spanischen Floskeln belegt.

Ein Versprecher nach dem anderen sorgt dafür, dass der vermeintliche Schwiegersohn in spe sich immer tiefer in den Schlamassel quatscht. Schließlich verliert er sich in der Krise, in die ihn, dank der von Sarah erdachten Vorgeschichte, der selbst verschuldete Unfalltod seiner ersten Frau gezogen und aus der ihn die neue Liebe gerettet haben soll. Ohne sie „I would be going in front of the dogs“, da wäre er vor die Hunde gegangen.

Er tut, was er kann

Dem eigentlich als lustiger Onkel bei einem Kindergeburtstag gebuchten Lügennetzspinner dabei zuzuschauen, wie er seine neueste Rolle kennenlernt und sich in dieser windet und schlängelt, wie er immer wieder neue Kurven findet, um seiner Enttarnung zu entkommen, überdeckt im ersten Teil kurzweilig und amüsant die schwache Handlung. Moderne Themen in den Dialogen sorgen für eine frische Brise.

Doch als die Enthüllungen beginnen, wird es fad. Statt einer überzeugenden Pointe gibt’s nur ein braves Happy End.

Komödie Frankfurt: bis 8. Mai. www.diekomoedie.de

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