Theater

Rasant, bis der Tacho auf Null ist

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Das Theaterhaus Frankfurt zeigt ein Zug um Zug in flottem Tempo erzähltes Jugendstück.

Wenn es kein Video gibt, ist es nie passiert“, da sind sich die jugendlichen Charaktere im Frankfurter Theaterhaus sicher. Und dann ist der Nervenkitzel nichts wert, um den es ihnen auf der als Zuggleis fungierenden Bühne doch geht – für ein erhofftes Millionenpublikum im Netz, weil nur noch Klicks und Likes bestimmen, wer man ist.

Szenenwechsel. Auch der Stalker will gesehen werden. Nicht von einem Millionenpublikum, sondern von Sandra, einem TV-Star. „Wenn man nicht beachtet wird, ist man unsichtbar.“ Das könnte auch Sandra sagen, die ihres kaputten Egos wegen zum Psychiater geht. Es sagt aber ihr Stalker über seine Situation, in der er der Angehimmelten erst begegnen kann, als sie verunglückt ist. Sie saß in einem Zug, mit dem es auf den Gleisen in Richtung Publikum einen Zusammenstoß gegeben hatte...

Der Zug. Er ist wie die meisten Charaktere, darunter Sandra und ihr Stalker, ein roter Faden, der sich mal aus den Boxen dröhnend, mal im Dialog der Darsteller durch die zehn Szenen schlängelt, bis sein Tacho am Endes von Kristofer Grønskag gleichnamigen Stückes „Runter auf Null“ ist.
Es dauert ein paar Szenen, bis klar ist, dass die scheinbar voneinander unabhängigen Szenen zusammenhängen, sich mal mehr, mal weniger auf eine schon erzählte Episode beziehen.

Dabei greift Regisseur Rob Vriens auch zur Technikkiste, um den Zuschauer seine Erzähltechnik zu vermitteln: Über Vriens’ Bühne hängt eine LED-Anzeige, die von zehn bis null anzeigt, welche Szene gerade gespielt wird. Zudem gibt es drei Boxen, auf denen je nach erzähltem Zeitabschnitt „davor“, „jetzt“, „danach“ erleuchtet ist.

Ob auch die jugendlichen Figuren nach ihren Erfahrungen erleuchtet sind, die sich an den Gleisen, auf den Gleisen, ja, im Zug des Lebens erproben, muss der Zuschauer entscheiden. Am Ende ist die rasant erzählte Geschichte wieder da angekommen, wo sie ihren Ausgang genommen hat. Eine Steilvorlage, um von hier aus mit dem angesprochenen Jugendpublikum ins Gespräch zu kommen.

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