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Raimund Hoghe in „La Valse“.
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Raimund Hoghe in „La Valse“.

Nachruf

Raimund Hoghe: Den Körper in den Kampf werfen

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Zum Tode des Tänzers und Choreografen Raimund Hoghe.

Es passierte nicht viel in den Stücken von und mit Raimund Hoghe. Aber gerade weil so wenig passierte, hatte man die Bilder noch ziemlich lange danach im Kopf: Von einem kleinen buckligen Mann, der im Viereck schreitet, der Teelichte anzündet und sie wieder löscht, der schweigend steht, der weiße Milch in eine rote Schale gießt, der einen Fächer hält oder (auf unserem Bild) eine Gießkanne. Der ein Zeremonienmeister des Schlichten und gerade darum Sprechenden ist. Er nahm sich Zeit, der Tänzer, Choreograf, auch der Filmemacher Raimund Hoghe, er nahm sich Zeit für das Stille und Zarte, gab ihm eine strenge und sparsame Form, so dass das Stille und Zarte in seinem Publikum wachsen und sich ausbreiten konnte.

Der forschende Blick

Raimund Hoghe, geboren am 12. Mai 1949 in Wuppertal, begann als Journalist, widmete sich als Außenseiter in Porträt-Texten vor allem auch anderen Außenseitern. 1980 wurde er Dramaturg bei Pina Bausch, da müssen sich zwei gefunden haben mit einem ähnlich forschenden, ähnlich peniblen, auch leicht ironischen und gesellschaftskritischen Blick auf die Welt.

„Meinwärts“ hieß 1994 das erste Solo, das Hoghe mit sich selbst als Darsteller auf die Bühne brachte. Der Titel verwies darauf, was ihn über die Jahre – etwa auch in einer berührenden Erinnerungs-Trilogie – beschäftigen sollte: die eigene Biografie, der eigene kleinwüchsige Körper („Den Körper in den Kampf werfen“ hieß ein im Jahr 2000 entstandener Abend), das eigene Erleben wichtiger Teile der Tanzgeschichte. Dies auch und gerade in der Auseinandersetzung mit und im Spiegel von trainierten, hochbeweglichen Körpern, wie sie von einem Tanz-Publikum als selbstverständlich erwartet wurden und immer noch werden.

„Sarah, Vincent et moi“: da tanzte Hoghe mit Sarah Chase und Vincent Dunoyer, sie waren seine Spiel-Freunde, seine Folie. „Für mich sind Körper wie Landschaften, und so, wie es verschiedene Landschaften gibt, gibt es auch verschiedene Körper – und alle haben ihre Berechtigung“, sagte er. In „Sarah, Vincent et moi“ war unmittelbar zu erkennen, dass vieles, was die beiden mühelos machten, für Hoghe mühevoll war. Aber nie in all den Jahren und Stücken war das für ihn ein Grund, seinen Körper nicht in den Kampf zu werfen.

Am vergangenen Freitag ist Raimund Hoghe, kurz nach seinem 72. Geburtstag, gestorben.

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