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„Please don’t touch the art piece“ von Roy Assaf: Mainz, wie es eifrig mitmacht

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Von: Sylvia Staude

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Links im Off können Sie sich vorstellen: Podium und Mikro, die auch genutzt werden wollen. Andreas Etter
Links im Off können Sie sich vorstellen: Podium und Mikro, die auch genutzt werden wollen. Andreas Etter © Andreas Etter

„Please don’t touch the art piece“ von Roy Assaf spannt das Publikum kräftig ein

Mainz, nicht wie es singt und lacht, sondern wie es vorliest, Witze erzählt und Kunststoffnelken in den Bühnenboden steckt? „Please don’t touch the art piece“, bitte nicht anfassen, ist zwar der dank der „Letzten Generation“ topaktuell wirkende Titel des Stückes, das der Choreograf Roy Assaf für das Tanzmainz-Ensemble erarbeitet hat. Aber es stellt sich heraus, dass ganz im Gegenteil das Publikum nicht nur ein bisschen in allerlei Aktion treten muss. Dass sogar mal eine Zuschauerin aufgefordert ist, eine Tänzerin – als art piece? – anzufassen. Es sind recht viele Aufführungstermine angesetzt, wenn Sie also groß rauskommen wollen, wählen Sie am besten schon beim Kartenkauf einen Platz, von dem aus Sie sich nicht durch eine ganze Reihe fädeln brauchen. Auf eine Gelegenheit werden Sie nicht lange warten müssen.

Im noch nicht bezogenen Neubau des Leibniz-Zentrums für Archäologie in Mainz ist das Staatstheater zu Gast, in einem Raum, der für Vorträge gedacht sein mag. Zu den schlimmsten Fastnachtsmitgrölliedern (u. a. „Wer soll das bezahlen“, „Trink trink, Brüderlein trink“) treten antike Statuen auf, die aber zur steinfarbenen Maske futuristische Ganzkörperanzüge aus glänzendem buntem Kunststoff tragen (Kostüme: Assaf). Wenn Sie sich jetzt wie die Kritikerin fragen, ob die Tänzerinnen und Tänzer in diesen Plastikbodies nicht furchtbar schwitzen müssen – keine Sorge, getanzt wird nicht sehr viel. Und die Premiere war nach 50 Minuten vorbei, das Publikum ließ sich glücklicherweise zur Mitwirkung nicht lange bitten.

Allerdings ist auch ein wenig Erpressung dabei, nach dem Motto: das Stück kann nicht weitergehe, wenn nicht ... wenn nicht zum Beispiel ein Mensch, der sich für sexy hält, ans Podium tritt. Oder jemand, der einen psychisch kranken Hund hat. Oder jemand, der die Ordnung liebt.

Es muss von diesen Freiwilligen viel Text vorgelesen werden (dazu Regieanweisungen gelesen werden). Eine Zuschauerin soll offensichtlich umarmen und wird umarmt. Zwei Leute sollen „Witze“ erzählen, die sich um den Besitz einer Ecke drehen. Dabei turnen je zwei Tänzer in einer Ecke. Schließlich wird die Bühne für eine Weile einem halben Dutzend eben nicht Zuschauenden überlassen, die den oberen Teil eines Buntglasfensters freilegen – es ist mit Backsteinen zugebaut –, während andere Kunstnelken stecken. Ein Augenzwinkern in Richtung Pina Bausch und ihres Meisterwerks „Nelken“? Mag sein. „Please don’t touch the art piece“ wird jedenfalls nun zügig beendet, am Ende eines kurzen Tanzduos rollt das Paar über einen Teil der Nelken und macht sie platt. Seufzen im Publikum.

Assaf und die Company möchten mit den Erwartungen des Publikums spielen, heißt es zum Stück. Man kann durchaus Spaß haben an diesem Spiel – außer natürlich, man erwartet ein veritables Tanzstück. Das wäre es auch dann nicht, wenn eine dicke Säule in der Mitte nicht einen Teil der kleinen Soli und damit der choreografischen Häppchen verdecken würde.

Staatstheater Mainz im Leibniz-Zentrum für Archäologie: 29., 30. November, 16., 17., 18., 20., 21. Dezember. www.staatstheater-mainz.com

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