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Katharina Hintzen als Clarice.

Staatstheater Darmstadt

Der Pate grüßt

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Goldonis Komödie „Diener zweier Herren“, blendend in Form.

Leise spielt die Musik von Giovanni „Nino“ Rota, das berühmteste seiner Werke - die Titelmelodie aus Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Vor dem inneren Ohr ist Marlon Brando als Don Vito Corleone zu hören, wie er über Ehre und Respekt predigt, während draußen seine Tochter heiratet. Nur kurz ist der gedankliche Ausflug in die Welt der Cosa Nostra, dann treten die ersten Gestalten an diesem Abend auf die Bühne des Kleinen Hauses im Staatstheater Darmstadt. Gestalten ist hier die passende Bezeichnung, strahlen die Darstellerinnen und Darsteller erstmal etwas Gespenstisches, wenngleich auch Schelmisches aus.

Es ist der Beginn einer schon fast 300 Jahre alten Komödie, geschrieben von Carlo Goldoni, in einer Neufassung von Martin Heckmanns. „Der Diener zweier Herren“ entstammt der Commedia dell’arte und kann als Grundlage vieler heutiger Verwechslungskomödien angesehen werden - mit der in gewissen Zügen kriminellen Handlung erklärt sich auch schnell die anfangs mafiöse Musik. Dass der Humor auch an diesem Abend im Mittelpunkt stehen wird, ist schon zu Beginn klar, als Pantalone, ein venezianischer Kaufmann, in einem leichten Berlinerisch die Verlobung seiner Tochter Clarice mit Silvio arrangiert.

Dabei hat der erzählte Stoff schon leicht dramatische Züge. Der eigentliche Verlobte von Clarice, Federigo Rasponi, soll getötet worden sein, taucht allerdings zur Überraschung aller Anwesenden wieder auf. Durch die Rückkehr Rasponis von ihrem Verlobten getrennt, verwandelt sich Clarice in eine trotzige Teenagerin. Währenddessen enttarnt sich Rasponi dem Publikum als dessen Schwester Beatrice, die nur in Verkleidung nach Venedig kam, um ihren Geliebten Florindo zu suchen. Die erste Verwechslung und Täuschung ist damit geschaffen, und die Inszenierung nimmt rasend schnell an Fahrt auf. Es bleibt kaum Zeit, um zwischen den Lachern Luft zu holen, da geht es schon wieder rund auf der Bühne. Mal ist es der hitzige Silvio, der förmlich blind vor Liebe alles kurz und klein hacken will, ein anderes Mal sind es die schmierigen Versuche Pantalones, seine Tochter an Rasponi zu verheiraten.

Nach und nach kommt die Frage auf, wo denn eigentlich der Diener steckt, von dem der Titel des Stücks spricht. Besagter Diener, mit Namen Truffaldino, akrobatisch gespielt von Robert Lang und tragisch komische Hauptfigur des Abends, lässt sich erst nach einigen Minuten auf der Bühne blicken. Doch dann wird schnell klar, dass sich die Geschichte um ihn drehen wird. Geplagt von Hunger verpflichtet er sich gleich zwei Herren. Der eine dem Publikum schon als verkleidete Beatrice bekannt, der andere ist der gesuchte Geliebte Florindo. Nichts von der Verbindung seiner beiden Herren ahnend, stolpert der arme Diener von einem Fettnapf in den anderen und kann sich oft nur im letzten Moment retten. Diese Tollpatschereien nehmen oft einen hektischen, wenn nicht sogar turbulenten Charakter an - es wird geschrien, gekämpft, geturnt und vor allem jede Menge gespuckt.

Die Liebe rückt immer weiter in den Hintergrund und der Hunger wird zum zentralen Motiv. Truffaldino bettelt nicht nur bei seinen Herren, sondern auch gerne mal bei dem in der ersten oder zweiten Reihe sitzenden Publikum. Auch wenn es manchmal zu viel und zu überdreht wirkt, schafft der Regisseur Andreas Merz-Raykov, Carlo Goldonis Werk in eine gewitzte und gesellschaftspolitisch aktuelle Komödie zu verwandeln. Vor allem Robert Lang als Truffaldino, Judith Niederkofler als Beatrice und Mathias Znidarec als Florindo spielen ihre Rollen überzeugend. Vom Publikum werden sie dafür mit viel Jubel belohnt.

Staatstheater Darmstadt:  8., 15. und 23. November.  www.staatstheater-darmstadt.de

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