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Paarungen im Fritz Rémond Theater: Christopher Krieg, Felicitas Hadzik, Thomas M. Peters und Elisabeth Ebner. 

Frankfurt

„Paarungen“ im Rémond-Theater: Was ungesagt bleibt

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„Paarungen“ von Eric Assous, mit wohltuender Zurückhaltung inszeniert im Fritz Rémond Theater.

Ein Lottogewinn von 16 Millionen Euro lässt einen Mann attraktiver erscheinen. Davon ist Bob überzeugt. So trennt sich der Küchenverkäufer nach dem Volltreffer von seiner mollig gewordenen Ehefrau und lacht sich eine deutlich jüngere Blondine an. Seine besten Freunde reagieren unterschiedlich. Während Xavier seinen Kumpel nicht verlieren will, würde Gattin Delphine, die zu der Verlassenen hält, den treulosen Macho bei seinem überraschenden Besuch lieber gleich wieder rauswerfen. Obwohl er einen dicken Scheck als Geschenk mitgebracht hat.

Der Wiesbadener Regisseur Manfred Langner hat sich mit den „Paarungen“ („Les Conjoints“) des französischen Komödienspezialisten Eric Assous beschäftigt. Wie üblich auf dem Boulevard trifft man sich im Frankfurter Fritz Rémond Theater im Wohnzimmer mit Sofa in der Mitte, das Steven Koop mit schlichter Eleganz eingerichtet hat. Zu beachten sind die Sessel im Stil der 50er Jahre. Sie markieren, bei ausgeknipstem Licht mehrmals ausgetauscht, im Wechsel mit zwei Hockern die Zeitsprünge, die in die Handlung eingebaut sind. Im Rückwärtsgang entfaltet sich das komplizierte Geflecht, das sich hinter der scheinbar einfachen Ausgangsposition verbirgt. Wer mit wem, aber auch warum, das steht dabei im Zentrum.

Die Charaktere sind treffend gewählt und ganz verschieden: Bob, von sich selbst, aber vor allem auch seiner ihm vom Glück zugeschobenen Anziehungskraft in höchstem Maße überzeugt, stellt Christopher Krieg egoistisch und, so Delphine, „vulgär“ dar. Für seine Verflossene und ihren aus den Fugen geratenen Körper empfindet der Familienvater nur noch Verachtung und macht daraus keinen Hehl. Garance (Felicitas Hadzik), die Neue, verkörpert seine Sehnsüchte und entspricht jeglichem Klischee. Die Kurven, die die Sprechstundenhilfe in mintgrünem Minikleid zur Schau stellt, weiß sie bestens für sich zu nutzen. Doch hinter allen äußerlichen Reizen verbirgt sich ein gutes Herz.

Taffe Frau von heute

Delphine (Elisabeth Ebner) nimmt als taffe Frau von heute kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, das selbsternannte starke Geschlecht in die Schranken zu weisen. Als Lebenspartner hat sie sich einen biederen, offenbar unterdrückten Pädagogen ausgesucht, Xavier, Brillenträger und Lehrer an einer Privatschule, der gerne mal in kindliche Töne verfällt, um die Stimmung nicht zu verderben. Mit dezenter und doch auffallender Mimik, mit der er Gesagtes schweigend kommentiert, bestätigt Schauspieler Thomas Maria Peters von Beginn an, dass nicht nur ein Seitensprung in der Luft liegt.

Während die Formulierungen, die man füreinander findet, bisweilen derb und verletzend sind, resultieren Humor und Leichtigkeit des etwas mehr als zweistündigen Abends in erster Linie aus dem eigentlich gar nicht Gesagten. Aus doppeldeutigen Wörtern etwa, die eine Weile im Raum schweben und sexuell geprägte Gedankengänge freisetzen, bevor der Sprecher mit einer Ergänzung noch die Kurve zu etwas anderem kriegt.

Die wohltuende Zurückhaltung lässt die Inszenierung in der Theaterlotterie inmitten einer großen Summe ähnlicher Geschichten zu einem Gewinn werden.

Rémond-Theater,Frankfurt: bis 29. März. www.fritzremond.de

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