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Die Kontrabassspielerin Nerea Rodriguez, der Tenor Michael Pegher. Foto: Fabio Stoll
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Die Kontrabassspielerin Nerea Rodriguez, der Tenor Michael Pegher.

Musiktheater

„Osthang“ mit dem Staatstheater Darmstadt: Der sanfteste Spuk

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Das Staatstheater Darmstadt lädt an den „Osthang“ ein.

Schöner wäre Sonnenschein, aber der Starkregen machte genau vor Darmstadt halt, wo der „musiktheatrale Spaziergang“ von Arne Gieshoff also doch unverdrossen über die Bühne gehen konnte. „Über die Bühne“ trifft es natürlich nicht ganz. Im Auftrag des Staatstheaters Darmstadt bespielt der Komponist, der seit 2017 hier an der Akademie für Tonkunst lehrt, den titelgebenden „Osthang“ an der Mathildenhöhe, eine gediegene Wildnis, der das feuchte Frühjahr gut bekommt. Keine Theaterkulisse könnte grüner und satter sein.

Gieshoff, Regisseurin Franziska Angerer und Ausstatterin Olivia Rosendorfer lassen uns hier einerseits in Ruhe, andererseits nimmt sich die Kunst allmählich des Raumes an, unaufdringlich, prickelnd. Die Kunst macht klar, was der Unterschied zwischen Kunst und Natur ist, aber auch, was der Unterschied zwischen Kunst und Zirkus ist.

Die Menschen flanieren also auf dem nicht einmal großen Areal, auf weichen Wegen, auf denen es sich lautlos läuft, und wissen nicht immer, was genau nun zu „Osthang“ gehört und was außerdem noch am Osthang zu sehen oder hören ist. Das ist auch nicht erforderlich. Obwohl eben ein eleganter Hirschmann vorübergegangen ist, bleibt das Publikum zunächst unter sich (oder hat Tomaten auf den Augen), lauscht dem gedehnten Knarren und Knuspern aus den Lautsprechern zu und sieht sich um.

Was sind das für Gestalten?

Wenn man es kann und das Handy es ebenfalls kann, lassen sich über QR-Codes 360-Grad-Videos von im Gelände verteilten Theatersteinbrocken abrufen. Die Videobilder scheinen die idyllische Umgebung zu doppeln, aber nun ist sie anders bevölkert. Die wunderlichen Wesen, denen wir in den Filmen begegnen, tauchen dann nach und nach auch hier draußen auf. Sie zu entdecken entspricht dem nun wider Erwarten doch noch eingeholten Vergnügen, das einst die Märchenfiguren im Taunuswunderland bescherten. Die Sopranistin Katrin Gerstenberger, der Tenor Michael Pegher und der Bariton David Pichlmaier lagern im Grünen, aber sie haben ihre Mikros dabei. Auch Mitglieder des Orchesters finden sich ein, mit Kontrabässen und Posaunen.

Als die Posaunisten eine Prozession über die Osthangwege veranstalten, hat sich Gieshoffs Musik schon ziemlich breitgemacht. Was zunächst eine übereinandergelagerte Collage aus Osthang-„Feldaufnahmen“ ist – man liest es, aber man hört es nicht; was man hört, ist nicht von dieser Welt –, entwickelt sich in einer imposanten, theatralischen Steigerung zu einem bizarr festlichen Tutti, um dann wieder sanft zu verebben. Als der sanfte Spuk zu Ende ist, einfach vorbei, hat man sich noch nicht satt gehört und gestaunt.

Fabelhaft, wie sich das Darmstädter Publikum darauf einlässt, geduldig, gemächlich. Bereitwillig werden ja auch wir Teil der Kulisse. Es gibt Schaukeln aus Kunststeinen, auf denen bald Menschen schaukeln, andere legen sich über die Brocken, als wollten sie verschmelzen mit der Kunstnatur. Limo gibt es auch, sehr gute.

Staatstheater Darmstadt am Osthang der Mathildenhöhe: 12., 29. Juni. www.staatstheater-darmstadt.de

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