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Ach! Eine Portion leere Oper Frankfurt.

Streaming der Theater

Der Opernspielplan für daheim

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Ja, man kommt ganz gut durch die Woche.

Langsam wird es lästig. Das ist der Augenblick, um einzusehen, dass die digitalen Opernspielpläne nicht ohne sind. Am Donnerstag (26.3.2020)   zum Beispiel läuft Verdis „Il trovatore“ an der Bayerischen Staatsoper München, die schnell ein imposantes Programm zusammengestellt hat und dies auch konnte, weil sie über staatsoper.tv  schon länger mit Streaming-Angeboten arbeitet. Olivier Pys monumentale Inszenierung (von 2013) setzt Anja Harteros und Jonas Kaufmann in Szene, melancholisch für Frankfurter: Paolo Carignani dirigiert.

Wer am 26. März zu Hause ist und nicht rasend beschäftigt, schaut sich zum zweiten Frühstück vielleicht noch Katie Mitchells sensationellen und noch nagelneuen „Judith“-Abend (zu Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“) ebenda an. Das ist sogar sehr anzuraten, zumal es sich um einen erstklassigen Thriller handelt, dem die Filmform zupass kommen sollte. Die Münchner Angebote enden immer um 11.59 Uhr, der „Troubadour“ am 28. März.

Am Freitag  bietet sich an, Götz Friedrichs 1983 entstandene Inszenierung von Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ anzusehen, vom 27. bis 29. („circa 15 bis 15 Uhr“) im alle zwei Tage wechselnden Online-Spielplan der Deutschen Oper Berlin über deutscheoperberlin.de  zu finden. Hier übrigens auch ein kleines, aber vielleicht nützliches und jedenfalls niveauvolles Kinderprogramm. Dass viele der Inszenierungen so betagt sind, hängt mehr mit dem Repertoireverhalten der Berliner Häuser zusammen als mit der Darreichungsform. Friedrichs „Die tote Stadt“, ein verhältnismäßig früher und darum umso interessanterer Versuch, Korngold wieder in die vernagelten deutschen Spielpläne zu bringen, gibt es auch als DVD. Aber wer hat schon Zeit, Opern-DVDs zu sehen.

Am Samstag  (28.3.2020)  werden wir persönlich uns wohl für Wagners „Lohengrin“ an der Staatsoper Stuttgart entscheiden, in der finsteren Inszenierung von Árpád Schilling. Schon am 27. ab 17 Uhr wäre dies möglich. Bis dahin läuft noch Axel Ranischs knallbunte Show zu Prokofjews „Die Liebe zu drei Orangen“. Auch das Stuttgarter Programm ist lückenloser, als es im normalen Betrieb heutzutage möglich ist. Es findet sich auf staatsoper-stuttgart.de  , wo unter „Oper trotz Corona“ kein fernerer Ausblick, aber offenbar stetes Programm geboten wird. Theaterleute haben hier zudem bereits kleine Videos eingestellt, hören Sie sich an, wie GMD Cornelius Meister zu „Figaros Hochzeit“ am heimischen Klavier improvisiert.

Am Sonntag,inzwischen ist der 29. März, ist Anna Netrebko zu erleben, mit Rolando Villazón an der Berliner Staatsoper, in Jules Massenets „Manon“. Man muss sagen, dass diese Inszenierung von Vincent Paterson (Daniel Barenboim dirigiert) 2007 von der Kritik zum Teil schier in der Luft zerrissen worden ist. Das kann Neugier wecken. Das Video-Programm wechselt jeden Tag um 12 Uhr, auf staatsoper-berlin.de  – hier mit exzellenter Planbarkeit

Am Montag  (30.3.2020)  findet um 20.15 Uhr das dritte Montagskonzertan der Staatsoper München statt – wie alles hier kostenfrei, aber Spenden unter dem Stichwort „Nothilfe für freie Kunstschaffende“ sind willkommen! Es wird im Kammerformationen aus dem leeren Opernhaus live übertragen. Das muss man offenbar erlebt haben, die erste, äußerst opulente Ausgabe steht noch online, unter anderem mit Christian Gerhaher und Gerold Huber. Die zweite Ausgabe steht ebenfalls online, zum Beispiel singt Michael Nagy Strauss-Lieder. Dass der brausende Applaus fehlt, ist nach den Krachernummern wie „Zueignung“ irre, aber auch unheimlich aktuell. Wer die Live-Übertragung direkt nutzt, kann mit Herzklopfen vor dem Laptop kauern oder lümmeln. Das ist auch sonst etwas Besonderes am Musikhören: Zusammen zu sein und doch allein.

Am Dienstag  (31.3.2020)  sollte man sich vermutlich endlich Calixto Bieitos Inszenierung von Verdis „Falstaff“ an der Hamburgischen Staatsoper ansehen, Premiere war im Januar, nun ist die Arte-TV-Aufzeichnung bis 18. April im Programm und auch via staatsoper-hamburg.de  zu finden. Unter dem neuen Markennamen „staatsoper hamburg @ home“ stehen dort auch schon Künstlervideos bereit. Natürlich klingt es anders, wenn eine Opernsängerin ihre Songs zum Händewaschen vorstellt.

Am Mittwoch (1.4.2020)  ist Zeit, das täglich wechselnde Programm der Wiener Staatsoper, wiener-staatsoper.at, nicht nur zu bewundern, sondern auch zu nutzen, am 1. April nämlich mit Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“, dirigiert von Christian Thielemann. Die vor einem Jahr, sagen wir mal: unterschiedlich aufgenommene Inszenierung von Vincent Huguet wird zweifellos dominiert von der sensationellen Besetzung mit Evelyn Herlitzius als Amme, Camilla Nylund als Kaiserin, Nina Stemme als Färberin. Die Wiener streamen meist ab 19 Uhr, das Programm bleibt dann 24 Stunden online. Imposant: Mit wenigen Ausnahmen, heißt es hier, könne das Online-Programm sogar dem ursprünglich geplanten Spielplan folgen. Machbar: Es gibt einen niedrigschwelligen Log-In-Vorgang.

Zum Schluss noch einige Grundregeln: Sie müssen sich keinen Anzug anziehen und keine Schnittchen vorbereiten, aber Sie können das tun. So machten es die Menschen früher, wenn es eine festliche Übertragung im Radio gab. Was Sie nicht tun sollten: das handliche Telefon neben sich legen und / oder während der Vorstellung mit ihrer Kontaktperson quatschen (wobei anders als im Opernhaus kurze Anmerkungen ganz streng zur Sache möglich sind). Vor allem aber sollten Sie und ich und alle anderen sich nicht hinterher beklagen, dass nie Zeit ist, die großartigen Online-Angebote zu nutzen, weil man jeden Abend im Theater sitzt.

Anders als bei den atemberaubend stillen Münchner Montagskonzerten ist bei den Aufnahmen sonst das Gequassel und Gestimme zu hören. Herrlich. Selbst der idiotische Zwischenbeifall: eine Freude. So sind sie, die Menschen, und irgendwann werden wir wieder kopfschüttelnd unter ihnen sein.

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