Intendant Bernd Loebe in seiner Videobotschaft. Foto: Barbara Aumüller
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Intendant Bernd Loebe in seiner Videobotschaft.

Programm

Oper Frankfurt: Theaterherbst mit Plan A und Plan B

  • Judith von Sternburg
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Wenn alles gut geht, hat die Oper Frankfurt 20/21 viel zu bieten. Die aktuelle Saison bleibt beendet, im Prinzip.

Nicht nur das Publikum, dem sogleich das Herz klopfte, auch die Stadt Frankfurt wurde von der Ankündigung überrascht, dass die Theater in Hessen vom heutigen Samstag an wieder öffnen können. Wenige Tage, nachdem die Städtischen Bühnen die Saison für beendet erklärt haben, und zufälligerweise nur einen Tag vor der Spielplanvorstellung der Oper für die kommende Saison. Bei der die Stimmung am Freitag nicht gerade aufgekratzt, aber doch erfrischt war.

Nun jedoch mal langsam. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die sich mit Schauspielintendant Anselm Weber schon abgesprochen hatte, stellte zuerst einmal klar, was auch das Schauspiel Minuten später per Mitteilung erklärte: Das Schauspielhaus (zusehen dürften dort, wie es hieß, nach jetzigen Regularien circa 150 Menschen) wird in dieser Saison geschlossen bleiben. Nachgedacht werde über „kleine Formate“ in den Kammerspielen (30 Menschen im Zuschauerraum). Mehr dazu in Kürze, so das Schauspiel! Und noch im Mai sollen die Proben für die kommende Spielzeiteröffnung beginnen: „Wie es euch gefällt“! Der detaillierte Spielplan für 20/21 soll Ende Juni vorgestellt werden!

Auch Opernintendant Bernd Loebe hielt sich zurück, vielleicht mit etwas Mühe. 15 Menschen dürften in den Graben, berichtete er, 20 auf die Bühne, alle entsprechend verteilt. Da lasse sich, so Loebe, schon etwas machen, und wenn das Ergebnis anders klinge als gewohnt (kurzum: transparenter), so müsse das nicht uninteressant sein. Das größte Problem sei wohl die Situation im Saal, allein schon der Einlass müsse anders vonstatten gehen als gewohnt. Mittelfristig stellt sich etwa die Frage nach dem Barbetrieb, nach dem Programmheftverkauf, nach der Garderobe. Die Stimmung im Haus, auch im Orchester- und im Chorvorstand, sei allerdings eindeutig: Man wolle etwas machen, man sei auch gewiss, „etwas Vorzeigbares hinzukriegen“.

Oper Frankfurt: Kombination aus Veranstaltung und Livestream

Da nach der totalen Schließung demnächst Kammerformationen und Sänger/Klavier-Duos wieder proben können, dürften kleine Konzerte das Mittel der Wahl sein. Loebe erwähnte auch, dass er sich eine Kombination aus Veranstaltung und Livestream vorstellt (was die geringe Zuschauerzahl im virtuellen Raum deutlich anheben könnte): Die bisherigen Streaming-Angebote, bei denen man seit ein paar Wochen gerührt die mehr oder weniger aufgeräumten Wohnzimmer und gelegentlich auch die Familien von Künstlerinnen und Künstlern kennenlernen kann, seien sehr erfolgreich. Ferner erwähnte er die pfiffige Idee, kurze Opern zweimal am Abend zu spielen, so dass mehr Menschen hineinkönnen. Ja, Bernd Loebe hielt sich für seine Verhältnisse bedeckt, aber überall quollen schon die Ideen hervor.

Was die vergangenen Wochen betrifft, berichtete GMD Sebastian Weigle, er habe angefangen zu kochen und zu backen. Das sei aufregend, und beim zweiten Mal gelinge es immer besser. Ein Dirigent ohne Ensemble ist übel dran. Was die kommenden Wochen betrifft: Fortsetzung folgt gewiss in Kürze.

Folgendermaßen steht es um die kommende, exquisit bestückte Saison, die am 13. September mit György Ligetis „Le Grand Macabre“ – einem veritablen Weltuntergangsangst-Stück – in der Frankfurter Erstaufführung eröffnen soll (Weigle dirigiert): Für jede der im Herbst und Winter geplanten Premieren habe er einen Plan B in der Tasche, so Loebe, über den er jetzt aber noch nicht reden wolle. Beispiele nannte er für die Wiederaufnahmen: In der „Hochzeit des Figaro“ etwa könne man den Chor aus dem Off singen lassen, ohne das Werk in den Grundfesten zu erschüttern. Wichtig sei zu wissen, dass an jedem angekündigten Termin etwas stattfinden werde, selbst wenn es sich notfalls um etwas anderes handle, als geplant.

Derzeit gehe er davon aus, dass die Proben für „Le Grand Macabre“ im Juni beginnen können, das sei „essenziell“, um – sofern Corona nicht dazwischenkommt – den planmäßigen Einstieg in die nächste Saison zu schaffen. Sonst werde es Ende Juni eine entsprechende Ansage geben. Mögliche Einschränkungen im szenischen Geschehen oder im Orchestergraben seien bisher bei allen Regisseuren und Dirigenten auf großes Verständnis getroffen.

Oper Frankfurt: Für Herbst und Winter hat Bernd Loebe einen Plan B 

Verständnisvoll übrigens reagiere bisher auch das Publikum, betonte Loebe. Das Haus habe 12.000 Abonnenten, darauf könne man nicht verzichten und sei nun gespannt auf die erste Resonanz auf den neuen Spielplan. Auch die Höhe der finanziellen Einbußen lasse sich noch nicht genau beziffern. Der Einnahmeverlust von etwa 3,5 Millionen Euro an den Städtischen Bühnen insgesamt müsse erst noch mit den Einsparungen durch die Kurzarbeit verrechnet werden.

Natürlich kam die Frage nach der künftigen Normalität oder Unnormalität auf an einem Ort, an dem ungewöhnlich langfristig geplant, viel gereist und in ausgeprägter körperlicher Nähe gearbeitet wird. Manches neue Problem betreffe aber eher die ganz großen Häuser wie Scala, Met und Covent Garden, erklärte Loebe, die sich ihre Solisten jeweils weltweit für eine Produktion zusammensuchen. Eine Folge der Krise könne durchaus sein, dass der Ensemble-Aspekt gestärkt daraus hervorgehe. Gegenwärtig sei es für Sängerinnen und Sänger auf einmal wieder hoch attraktiv, eine feste Anstellung zu haben. Auch den Stars unter den reisenden Solisten seien schließlich alle Pläne weggebrochen. Vielleicht, so Loebe, gingen die Gagen für Gäste etwas runter. So etwas kann ein Intendant nicht bedauern.

Erstmals kann man sich den Intendanten aber auf der Seite der Oper in einer Videobotschaft ansehen und sich vieles also direkt von ihm selbst erklären lassen.

Die Premieren 20/21

„Le Grand Macabre“  von György Ligeti am 13. Sept. (Weigle / Vasily Barkhatov).

„Die Banditen“  von Jacques Offenbach am 18. Oktober (Karsten Januschke / Katharina Thoma)

„Don Pasquale“  von Gaetano Donizetti am 6. November (Bock. Depot, James Hendry / Caterina Panti Liberovici)

„Der Traumgörge“  von Alexander Zemlinsky am 22. November (Markus Poschner / Tilmann Köhler) 


„Fedora“  von Umberto Giordano am 17. Januar (Carlo Montanaro / Christof Loy, Übernahme aus Stockholm)

„Aida“  von Giuseppe Verdi am 14. Februar (Jader Bignamini / Lydia Steier) 


„The Burning Fiery Furnace / The Prodigal Son“  von Benjamin Britten am 13. März (Bock. Depot, Mario Antonio Marra / Manuel Schmitt)

„Orlando“  von Händel am 21. März (Simone Di Felice / Ted Huffman)

„Boris Godunow“  von Modest Mussorgski am 9. Mai (Sebastian Weigle/ Keith Warner)

„Dialogues des Carmélites“  von Francis Poulenc am 20. Juni (Giedre Šlekyte / Claus Guth)

„Inferno“  von Lucia Ronchetti am 27. Juni (Bock. Depot, Tito Ceccherini / Kay Voges, Marcus Lobbes, Koproduktion mit dem Schauspiel – die verschobene Uraufführung aus diesem Jahr).

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