Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vorne Mark Tumba, im Video Lotte Schubert und (hinten links) Torsten Flassig. Foto: Jessica Schäfer
+
Vorne Mark Tumba, im Video Lotte Schubert und (hinten links) Torsten Flassig.

NSU 2.0 - der Film im Theater

Schauspiel Frankfurt bringt „NSU 2.0“ auf die Bühne

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
    schließen

Nuran David Calis packender Film „NSU 2.0“, bald auch doch noch in der Bühnenfassung am Schauspiel Frankfurt.

Frankfurt am Main - Die gespenstische Wirkung von Augenlidern, auf die Augen gemalt wurden, ist im Theater vielfach erprobt. Diesen Anblick hier wird man allerdings nicht mehr loswerden. So ist es auch gemeint. Wenn die Rechtsextremen selbst zu Wort kommen in Nuran David Calis’ Film „NSU 2.0“, dann schließen Lotte Schubert, Mark Tumba und Torsten Flassig die Augen, damit wir in ihre aufgemalten, weit offenen, restlos leeren Zweitaugen starren, Augen, die nichts sehen wollen und auch nichts sehen, und in denen nichts zu sehen ist.

Kommt einem manchmal geradezu pathetisch vor, weil auch das Schließen der Augen als unheimliche Transformation gezeigt wird, ist aber ein Coup. Man hört die Rechtsextremen, aber man sieht sie eigentlich nicht, sie bleiben unsichtbar und doch allgegenwärtig. Einer schließt die Augen, schon sind sie wieder da. Es ist gefährlich, die Augen zu schließen.

„NSU 2.0.“ im Schauspiel Frankfurt: Was Sprache kann

„NSU 2.0“, von dem Regisseur und Autor Calis am Schauspiel Frankfurt entwickelt – zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, in welcher Form es überhaupt die Bühne würde erreichen können (Probenbericht in der FR v. 14. April) –, zitiert und reflektiert. Es geht um rechtsextremistische Verbrechen in der Nachfolge des NSU von der Einschüchterung bis zum Mord – an Walter Lübcke 2019, an den neun Menschen in Hanau 2020 –, aber Calis und das Ensemble kommen nicht ins Nacherzählen, sondern beharren auf der Annäherung an mindestens zweierlei. Erstens: Was ist das für eine Sprache und mit was für einer Sprache kann man ihr entgegentreten. Zweitens: Wie stellt es sich jenen dar, gegen die sich die Angriffe richten. Wer steht auf ihrer Seite. Haben Sie das Gefühl, das die Leute auf ihrer Seite stehen. Nein, haben sie eher nicht und schlimme Gründe dafür, die ebenfalls zu hören sind.

„NSU 2.0.“, ein Film über und mit Sprache, analysiert und ist zugleich unmittelbar und plastisch. Sprache kann das, das ist genau das, was Sprache bei aller Missbrauchsanfälligkeit anbietet. Man hört der überkorrekten Ermittlersprache zu, den Stimmen der Vernunft, den Stimmen des blanken Hasses. Aber auch den privaten Stimmen. Privat denkt sich eben auch so mancher mancherlei, es ist nicht immer das Klügste von allem. Dazu gibt es reichlich Musik von Vivan Bhatti, die durchaus die Musik zu einem Horrorfilm sein kann. Horror trifft es ja auch ganz gut.

Schauspiel Frankfurt

„NSU 2.0 – Der Film“ steht noch bis 11. Juni als Video-on-Demand bereit. Am 13. Juni hat die Theaterfassung in den Kammerspielen Premiere. Heute, Montag der 07.06.2021, startet der reguläre Vorverkauf unter schauspielfrankfurt.de.

NSU 2.0 - Schachtelige Bühne im Schauspiel Frankfurt

Der Film ist ein Spiegelkabinett in der schachteligen Bühne von Anne Ehrlich, während die Kostüme von Anna Sünkel Normalität signalisieren. Es ist immer auch ein Polizist anwesend, die Rollen werden weitergereicht wie der Text. Eingespielt werden Interviews Politikerinnen und Politikern, die rechtsextremer Hass besonders hemmungslos behelligt – Renate Künast, Sevim Dagdelen, Janine Wissler, Jutta Ditfurth, Cem Özdemir, Karamba Diaby. Sie haben klare Worte für ihr Unverständnis und ihre Empörung. Calis zeigt dabei übrigens sein gutes Gespür für Timing. Alle bekommen Zeit, nichts wirkt gehetzt oder flüchtig, dabei ist – der Lage entsprechend –alles bruchstückhaft.

Flassig, Schubert und Tumba sind selbst mit dabei. In kurzen, starken Momenten kommen sich hinter ihren – mit fesselnder, fiebriger Aufmerksamkeit gesprochenen – Texten hervor. Tumba fragt: „Fehlt es hier an PoCs?“ Flassig sagt: „Wäre ich nicht drauf gekommen.“ Eine diverse Gesellschaft, sagt Tumba, und er sagt es auch dem Theater, „das ist die Wahrheit, aber das muss auch repräsentiert und gelebt werden“. (Judith von Sternburg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare