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Lisa Förster als multifunktionale Hausangestellte bei Familie Feuerstein, äh, in "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder in Heidelberg.
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Lisa Förster als multifunktionale Hausangestellte bei Familie Feuerstein, äh, in "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder in Heidelberg.

Theater Heidelberg

Ist das noch was? Aber ja!

Aus dem Leben von Familie Feuerstein: Ein quietschfideler Thornton-Wilder-Test in Heidelberg mit dem einstigen Lieblingsstück der Nachkriegsdeutschen, "Wir sind noch einmal davongekommen". Der Spaß liegt auf der Hand, den Ernst muss man sich dazudenken.

Wir sind noch einmal davongekommen“ gehörte schon des Übersetzungstitels wegen zu den Lieblingsstücken Nachkriegsdeutschlands. Thornton Wilder zeigte sich von einer dramaturgisch kühn-kecken Seite, die man dem Autor von „Die Brücke von San Luis Re“, einem enormen Zwischenkriegserfolg, nicht unbedingt zugetraut hätte.

Und am Theater Heidelberg setzen Philip Tiedemann (Regie) und Stephan von Wedel (Ausstattung) zwar noch tüchtig einen drauf, aber sie wählen damit eine Lesart, die Wilder durchaus ermöglicht. Gewiss ist es naheliegend – und vermutlich wirkungsvoll, leider ist das Stück heute praktisch nicht mehr zu sehen –, ganz konventionell eine Familie im New Jersey der vierziger Jahre zu zeigen, die seltsamerweise zugleich in der Ur- und Eiszeit lebt.

Tiedemann und Wedel machen es quasi umgekehrt. Sie kehren den bizarren Anteil der Vorlage nach außen und lassen uns darüber staunen und lachen, dass hinter dieser schwerstens aufgedrehten Familie Feuerstein eigentlich ein paar brave und weniger brave amerikanische Durchschnittstypen stecken.

Denn in Karnevalskostümen und offenbar nur wenige Minuten nach der Menschwerdung (noch etwas krumm und sprachlich vereinfacht) treten uns die Antrobus’ zuerst entgegen. Und bauen sich die Bühne aus großen Quadern (Steinzeit!) selbst. Man trägt Kunstfell und Mrs. Antrobus, Nicole Averkamp, dazu ein neckisches Knöchelchen im Haar. Mr. Antrobus, der als guter Amerikaner aller Jahrtausende schwer auf Draht befindliche Hendrik Richter, hat soeben das Rad erfunden.

Kain motzt rum

Permanent zanken die Kinder Gladys (Anna-Maria Kurivocá) und Henry, Olaf Weißenberg, der sich die präpubertäre Motzerei perfekt ins Erwachsenenalter gerettet hat. Henry benutzt eine Schleuder, und nicht nur, um Dosen zu treffen. Denn Henry ist auch Kain, wie Gladys auch Eva/Lilith ist und wie ihre Eltern sich als Noah und Gattin Richtung Arche scheuchen lassen müssen.

Als multifunktionale Hausangestellte Sabina ist Lisa Förster die quicklebendige und zynisch-überlebenstüchtig eingestellte Beobachterin und zugleich Zentralfigur. Die Sintflut muss sie schwimmend überstehen, kein Problem für Leute, die nicht so tun müssen, als seien sie aus Fleisch und Blut.

Den Spaß flankieren Steffen Gangloff und Dominik Lindhorst als Sänger, Homer, Moses, Mammut, Dinosaurier und so weiter.

Den Ernst muss man sich dazudenken. Es geht Thornton Wilder auch darum, die Unermüdlichkeit des (US-amerikanischen) Menschen angesichts von biblischen und anderen Katastrophen – darunter bevorstehende Kriegseintritte der USA – zu feiern. Nach „Eiszeit“ und „Sintflut“ ist es erst der „Krieg“, der ihn wirklich zermürbt (man merkt am Rande, dass es noch keine Kreationistenproblematik gab). Aber noch ist nicht aller Tage Abend.

Wilders Optimismus werden Pessimisten nicht leicht ertragen können. Vielleicht kann man den Heidelbergern vorwerfen, dass sie das arg quietschvergnügt überspielen, zumal sie dann doch die Kurve nehmen und besinnlich abschließen. Dass sie es gekonnt arg quietschvergnügt überspielen und damit sehr menschlich sind, ist nicht zu leugnen.

Theater Heidelberg, Marguerre-Saal: 11., 15., 17., 25. Oktober. www.theaterheidelberg.de

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