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Das Schauspiel Frankfurt am Willy-Brandt-Platz.
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Das Schauspiel Frankfurt am Willy-Brandt-Platz.

Jugendclub Frankfurt "Sucht"

So ein netter Abend unter Mädels

In „Sucht“ beim Jugendclub des Schauspiels Frankfurt erzählen acht junge Frauen von allen Arten von Süchten.

Von Natalie Soondrum

Irgendwie hat dieser Abend etwas Prickelndes. Was genau, das in Worte zu fassen, würde mehr kaputt machen, als dass es erhellend wäre. – Äh, Moment mal! Genau dieses typisch weibliche, emotionale Herumgewaber steht im Zentrum eines Projektes, das den schlichten Namen „Sucht“ trägt: Darüber, wie Frauen es schaffen, ihre Emotionalität so diffus zu halten, dass sie der nackten und oft auch bitteren Realität nie ins Auge schauen müssen.

Fühlt frau sich da erwischt! Aber das ist das Vergnügliche an diesem Mädelsabend. Leonie Kubigsteltig hat ihn mit dem Jugendclub des Schauspiels Frankfurt und in Zusammenarbeit mit dem Mädchenhaus FEM, das auf die Unterstützung traumatisierter Frauen und Mädchen spezialisiert ist, inszeniert. Suchtstrukturen werden in den gängigen Konzepten weiblicher Liebe und Beziehungsführung untersucht.

Schaumgummi, grob angesägt

Die Bühne für die Box dazu hat Julia Scheurer entworfen: Große Buchstaben aus einer weichen Schaumgummi-Sorte, grob gesägt, die aneinandergereiht das Logo „LOVE?!“ ergeben. Damit turnen acht junge Frauen herum. Cecilia, im hautengen, hautfarbenem Latexkleid (Kostüme: Laura Krack; Zuordnung der Schauspielerinnen zu Rollen vermutlich absichtlich nicht möglich) ist verliebt in ein weißes Telefon, durch das sie mit Tom spricht, der zu ihr aus dem Film „Purple Rose of Cairo“ herabgestiegen ist, oder auch nicht.

Lustvoll erzählt die Balletttänzerin des Royal Ballet aus London, die bekennende Nymphomanin ist, Schwärmerin Cecilia lebe in einer Hippie-WG, habe als gläubige Christin selbst keinen Sex, male aber provokante Bilder ihrer eigenen Schamteile. Dann gibt es Miss Lonelyhearts, die kocht und dabei vergeblich auf den Liebsten wartet.

Lustvolle Inszenierung

Sehnsucht, Trunksucht, Kokainsucht, die Süchte sind Ausdruck eines geleugneten Leids, das angeblich Frauen am Leben hindert. Fragt sich ob es nicht auch Strukturen der lustvollen Inszenierung des Liebens und Leidens sind. So, und nur so wollen wir lieben und leben!

Es gibt Momente der amüsierten, irritierten Bewusstwerdung: Als der Sitznachbar offensichtlich nicht mehr dem Monolog der Rednerin folgt, sondern sein Blick an den Formen von Cecilia klebt. Und als die Fahne der grazilen, jung gebliebenen Sitznachbarin herüberzieht. Oder ist das jetzt nur die eigene Projektion? Ja, es kann zärtlich stimmen, in seiner Unvollkommenheit erkannt zu werden. Zumal von so einer hinreißenden Mädelsriege.

Schauspiel Frankfurt: 14., 15. Oktober. www.schauspielfrankfurt.de

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