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Wo ist unser Kind?

Kindertheater

Nein doch! Ja doch!

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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„Kind gesucht“ im Theaterhaus Frankfurt könnte Erwachsenen vielleicht sogar besser gefallen als Kindern.

Jemand mit einem Vogelkäfig auf dem Kopf liest die Zeitung kopfüber, eine andere Person spielt mit dem Brot Flugzeug. „Schmatz nicht so!“, „Lies nicht so!“, gehen die Vorwürfe am Frühstückstisch hin und her. Darauf, dass sie ein Kind haben könnten, kommen die beiden erst, als sie den Schlüssel für den Vogelkäfig vermissen. „Wir haben ein Kind?“ „Wir hatten ein Kind. Du hast es verbummelt!“

Nun beginnt das Theaterhausensemble die absurde Suche. Haben wir das Kind beim Postamt vergessen? Ist es etwa in der Einkaufstasche zusammen mit den Backsteinen und der Hundeleine? „Kind gesucht“ unter Regie von Silvia Andringa soll eine Hommage sein an die niederländische Autorin Suzanne van Lohuizen und deren Stück „Wer hat meinen kleinen Jungen gesehen?“.

Das Publikum sitzt in zwei verschiedenen Räumen, in denen jeweils das Stück gespielt wird. Die Spielenden wechseln hin und her, mal sehen wir Günther Henne, mal Susanne Schyns als Lou, mal Michael Meyer, mal Uta Nawrath als Kamiel.

Vielleicht haben Erwachsene sogar mehr Spaß an diesem Stück als Kinder, denn es geht hier vor allem um die eventuellen Eltern: „Es ist nicht einfach, ein Kind zu haben“, seufzen sie, machen sich Sorgen, dass es nun unter der Brücke schläft und eine Blasenentzündung bekommt, oder träumen von seiner glorreichen Zukunft, während sie sich pausenlos streiten(„Nein doch!“, „Ja doch!“).

An albernen Requisiten wird nicht gespart: Lou trägt neben dem Vogelkäfig einen blau gestreiften Schlafanzug, Kamiel eine rosa Mütze mit Punkten und einen farblich passenden Rucksack auf dem Bauch, mit einem alten Telefon darin. Beide sind als Clowns geschminkt. Es wird Zug oder Zirkus gespielt, ein Hund unter dem Tisch gejagt, es gibt beißende Zahnspangen, Furzkissen, Wasserspritzer ins Publikum und sogar eine Torte ins Gesicht (Ausstattung: Kerstin Laackmann). Die einzigen wirklich anwesenden Kinder, die im Publikum, sind zwar angesichts von so viel Clownerie ziemlich still - spätestens beim dritten Auftritt des Furzkissens müssen sie dann aber doch lachen.

Auf der Bühne meldet sich das Kind schließlich selbst per Telefon aus dem Bauch von Kamiel – es komme morgen. Aber stimmt das wirklich? Das wollen nach dem Stück auch die Kinder wissen: „Soll das ein richtiges Kind sein oder ein Hundekind?“ Darauf gibt es allerdings keine Antwort.

Theaterhaus Frankfurt: 29. Oktober, 11 Uhr, 30. Oktober, 10 Uhr.

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