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Hier noch analog: Andreas Schager mit Dreadlocks.
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Hier noch analog: Andreas Schager mit Dreadlocks.

"Siegfried"

Mit neidlichem Navi

Im Endspurt: „Siegfried“ am Staatstheater Wiesbaden bietet einen prächtigen Heldentenor in einem Top-Ensemble, szenisch bleibt es beim Allerlei.

Im nächsten Teil, der „Götterdämmerung“, wird Hagen zu Siegfried sagen, er habe ihn gleich an seiner Kraft erkannt. Das klingt oft rhetorisch, nicht nur, weil Hagen verteufelt gut Bescheid weiß, sondern auch weil sich Siegfrieds sensationell sportliche Rheinfahrt schwer ins Bild setzen lässt. Diesmal könnte es plastischer werden. Andreas Schagers Stimme, eine Stimme, für die das Wort Heldentenor wahrlich erfunden wurde, sprengte jetzt vorerst noch als „Siegfried“-Siegfried das Große Haus des Wiesbadener Staatstheaters.

Dies tat Schager mit einen Lächeln. Auch jonglierte er mit Kohlestückchen und musste ohnehin keinerlei körperliche Rücksichten auf sich nehmen, während er fix das neidliche Schwert Notung wiederherstellte. Bei ihm hätte es ein paar Strophen länger dauern dürfen, und wer den Eindruck hatte, er haushalte nicht mit seinen Kräften, der irrte.

Der furchtlose Sänger für den furchtlosen Siegfried, Balsam für furchtsame Zuhörerinnen und ein Erlebnis eigener Art. Dass es den Wiesbadenern gelang, ihm eine Brünnhilde an die Seite zu geben, die ihm für den letzten Teil ebenbürtig zur Seite stand, war imposant. Sonja Gornik und Schager sind zudem ein ansehnliches Paar. Szenisch blieb das aber belanglos herzig – sie im Flatterkleid freudestrahlend zu Grane (nicht im Bild) hupfend, er in mannhafter Seligkeit –, allerdings gab es in diesen unwahrscheinlichen Momenten schon schlimmere Geschmacksverirrungen und gehört der „Siegfried“-Schluss zu den am übelsten zu inszenierenden Stücken überhaupt.

Das gilt auch für den „Siegfried“ insgesamt, ein langes, brüchiges Teil von der moralisch und intellektuell unerträglichen Wissenswette bis zum Tristan-und-Isolde-Finale. Leichter wurde es hier nun nicht dadurch, dass der Wiesbadener Ring schon bis hierher szenisch arg-, konzept- und auch ziellos wirkte. Intendant Uwe Eric Laufenberg konnte dafür auf seine vorangegangene Linzer Arbeit zurückgreifen, so dass er den Schnelldurchgang wagt. Das will aber eh kein Ring zum Grübeln sein. Das will sich, teils munter, teils bieder, von Szene zu Szene bewegen.

Insofern ist der „Siegfried“ konsequent. Mime wohnt zwar laut Bildprojektion in einer Favela (Bühne: Gisbert Jäkel, Video: Falko Sternberg), aber das ist genau jene für den Wiesbadener Ring so typische Behauptung einer Welthaltigkeit, die dann doch bloß Dekoration ist. Ginge es hier ums freie Assoziieren – was zu befürchten steht –, müsste die existenziell wesentliche Umgebung sich vielleicht doch in irgendeiner Weise in den Figuren bemerkbar machen. Da ist aber nichts. Jenseits der diesmal recht uninteressanten Kostüme von Antje Sternberg – Mime und Siegfried mit Zottellanghaar und insgesamt ein wenig heruntergekommen – ist ein unriskanter und konventioneller gespielter 1. Aufzug nicht denkbar. Und dies, obwohl sich jetzt doch eine Idee herausmendelt. Während Mime – Matthäus Schmidlechner, markant und grell – analog bleibt, bringt Besucher Wotan – überzeugend auch Jukka Rasilainen, eingesetzt für den nach der „Walküre“-Premiere tragisch plötzlich verstorbenen Gerd Grochowski – neuere, neue und künftige Technik heran. Siegfried wird im Folgenden nicht nur ein schickes Zukunfts-Tablet verwenden, sondern auch Notung mit einer Tastatur ausrüsten, die unter anderem als Navi dient. Etwa als Wotans Sicherheitsleute (aus welchem Film kommen die denn plötzlich her) den kleinen Waldvogel-Punk (Stella An) um die Ecke bringen. Es ist lustig, wenn Schager fleißig herumtippt, um flugs den Hochsicherheitstrakt zu knacken, an dessen Gitter Alberich, der unheimlich stimmschöne, sonore Thomas de Vries, eben noch vergebens rüttelte. Dahinter verbirgt sich nicht nur ein Computerspiel, sondern auch die FF-Bank, die Fafner (Young Doo Park) in Erinnerung an seinen Bruder gegründet haben muss. Aus der Höhle strömen Bankangestellte zum übergangslos servierten Sekt. Auch für Siegfried findet sich ein gutsitzender Anzug, schon gibt er einer aufgeweckten Reporterin sein erstes Interview. Warum auch nicht. Es bleibt folgenlos wie die technische Zeitreise. Dennoch zerfallen Mimes Ambos und nachher Wotans Speer wie üblich zu früh, Tücke des Theaterrequisits.

Ein schöner Einfall – aber gleich buht jemand vom Olymp hernieder, da ist man angesichts der Gesamtveranstaltung doch fassungslos – ist die Generalpause im Zweiten Aufzug. „Hier ruhte das Werk für 12 Jahre“, immerhin ein besonderer Einschnitt und lehrreich, einmal in diesem Moment innezuhalten. An einem ja nicht zuletzt sehr lauten Abend. Dirigent Alexander Joel geht so opulent vor, dass es trotz des erstklassigen Sängerensembles – und trotz der nervenstarken Blechbläser – zum Teil lärmiger, gar grobschlächtiger wird, als es im „Siegfried“ der Fall sein muss.

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