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Ellen Schwiers und Walter Reyer vor einer Probe zu dem Stück „Jedermann“.

Nachruf auf Ellen Schwiers

Geradlinig für ein Theaterleben

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Die Film- und Theaterschauspielerin Ellen Schwiers ist 88-jährig gestorben. 

Die Schauspielerin Ellen Schwiers ist tot. Sie starb am frühen Freitagmorgen im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus am Starnberger See, wie ihre Tochter, die Schauspielerin Katerina Jacob, mitteilen ließ.

Schwiers, 1930 in Stettin geboren, stammte aus einer Schauspielerfamilie, die während des Zweiten Weltkriegs mehrfach vor den Bomben floh und schließlich ins hessische Marburg kam. Hier gründete Schwiers’ Vater Lutz die „Marburger Schauspielgruppe“ (Keimzelle des Marburger Schauspiels und damit letztlich des heutigen Hessischen Landestheaters). Die Tochter arbeitete als Souffleuse und hatte erste kleine Rollen. 1949 bekam sie in Koblenz ihr erstes selbstständiges Engagement. Der Weg führte weiter zu den Bühnen nach München und Frankfurt, parallel dazu begann bereits eine Filmkarriere. Ellen Schwiers, strahlend schön, energisch, bis ins hohe Alter eine Spur streng, aber interessant streng, fiel auf: Sie vermittelte einen Eindruck von Geradheit, im Leben wie auf der Bühne, und eine Furchtlosigkeit schien sie zu umgeben, jedenfalls aus Sicht derer, die ihr bloß gerne zuschauten. Nicht umsonst war sie Anfang der sechziger Jahre die Salzburger „Buhlschaft“, an der Seite Walther Reyers.

Ellen Schwiers in ihrem Haus am Starnberger See.

Bereits in den Fünfzigern entstanden Filme mit zeittypischen Titeln wie „Anastasia, die letzte Zarentochter“, „Tierarzt Dr. Vlimmen“ oder „Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes“, aber bald war Schwiers in Wolfgang Staudtes „Der letzte Zeuge“, Bertoluccis „1900“ und Billy Wilders „Fedora“ zu sehen. Berührungsängste mit Blick auf Rollen, wenn man es so nennen will, waren Schwiers wesensfremd, ihre Neugier reichte für alles. Sie trat in den großen Tagen der Freiluftfestspiele in Jagsthausen – wo sie selbst zweimal für einige Jahre die Intendanz übernahm und ihr Regiedebüt gab –, Feuchtwangen oder Wunsiedel auf. Sie ging auf zahllose Tourneen, zumal sie Anfang der 80er Jahre eine eigenes kleines fahrendes Theater zusammenstellte, „Das Ensemble“. Natürlich spielte sie auch einmal im „Bullen von Tölz“ mit.

Auch beim Abschied vom Berufsleben nach siebzig Theaterjahren zeigte sich die Geradlinigkeit. Sie wolle nicht auf die Bühne getragen werden, erklärte Schwiers anlässlich ihre 85. Geburtstags. In ihrer letzten Rolle war sie an der Seite ihres Bruders Holger Schwiers und ihrer Tochter Katerina in „Altweiberfrühling“ in der Komödie im Bayerischen Hof in München zu sehen.

Schwiers, die lange schwer krank war und sich immer wieder gegen ihre Schmerzen behandeln lassen musste, hatte sich vor wenigen Monaten in Interviews energisch für Sterbehilfe ausgesprochen. Das aber wolle sie ihrer Tochter nicht zumuten. Ihr Mann, der Produzent Peter Jacob, starb 1992. Ihr Sohn Daniel Peter, Jahrgang 1963, war ebenfalls im Begriff, Schauspieler zu werden, starb 1985 an Krebs.

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