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Und nirgendwo kann man in Deckung gehen in diesem Bühnenbild. Vorne probiert es Maike Elena Schmidt.
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Und nirgendwo kann man in Deckung gehen in diesem Bühnenbild. Vorne probiert es Maike Elena Schmidt.

Staatstheater Mainz

„Mutter Courage“: Ab durch die einsame Türe

  • VonMarcus Hladek
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Eine gescheiterte „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertold Brecht im Staatstheater Mainz.

War es der Produktion unter Covid geschuldet, dem Live-Schock des Publikums, mangelnder Durchdringung durch K. D. Schmidt (Regie) und der Dramaturgie (Boris C. Motzki) oder dem Fehlen einer Aktualisierung, die „Mutter Courage und ihre Kinder“ denn doch mehr Relevanz hätte abluchsen können? Was immer an Schmidts Fleißübung im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz nicht funktionierte, funktionierte so sattsam nicht, dass es gerade noch ein paar Schönheiten am Rande zuließ. Ansonsten löste Brechts Schaustück von 1941 über den Dreißigjährigen Krieg bloß ein maues „Die nächste, bitte“ aus.

Zu sehen und erleben gab es vor allem Maren Greinkes Bühne, die zwei Stunden vierzig mit Pause fast unverändert blieb. Bestehend aus Wellblech, annähernd so breit wie die Bühne und entsprechend hoch, bildete das dominante Objekt ein Viertel eines gedachten Metallschlauches ab, ließ an den Seitenrändern das Gerüst erkennen, an dem es fixiert war, und glich einer halbierten Halfpipe (Viertelpipe?) oder einem alten Stück Flugzeughangar.

Weder die einsame Tür nebst Ausguckluke oben noch die kaum lesbaren Wanderschriften, die da durchlaufen, enthüllen die Idee dahinter. Letztlich bleibt dies eine reine Spielfläche für Schauspielerinnen und Schauspieler mit schwacher Allegorik als Surplus. Vage oldschool-technisch, bleibt das Ding ein netter Hintergrund.

Und es bietet sich zum Klettern oder Gehen auf der Schräge und zum Abhängen im Gestänge an, wenn ein Darsteller, eine Darstellerin aufs Stichwort wartet, mehrfach auch als Fluchtweg (die Schräge hoch, ab durch die Tür), als luftiger Laufsteg und als Spielplatz für Sisyphosse wie die arme Stumme Kattrin (Maike Elena Schmidt), die daran hochkraxelt und wieder runterrutscht wie ein lebendes Sinnbild der Vergeblichkeit.

Maren Geers’ Kostüme bleiben vage historisch-realistisch: Courages Schaftstiefel, Feldpredigers „amerikanischer“ Sektierer-Hut, Eilifs Hemd mit Schleife. Ansonsten lassen sie die Träger wie dem Skizzenbuch entsprungene Kostümbild-Comics wirken. Der seidige Metallic-Glanz in Grün für Courage und Flieder für Kattrin, die wachsenden weißgrauen Haare einiger Figuren (der Krieg dauert), das moderne Bild-T-Shirt zu Hosenträgern eines Werbers und die sexy Kostümchen mit zeitsparend hohem Rockansatz für Yvette scheinen nicht wirklich zwingend erdacht.

Denkt man sich noch Lied-Interpretationen hinzu, deren loungiger Avantgarde-Popsound mit Aufrauungen (Video, Musik: Sebastian M. Purfürst) erst Neugier weckt, dann mit dem Dauerkrieg in Dissonanz verreckt, dann hat man beisammen, woran diese „Mutter Courage“ scheitert. Gern würde man sagen: trotz vereinzelt herrlicher Schauspielerleistungen, so wie man frühere exzellente Regien K. D. Schmidts wie „Kopflohn“ und „Am Sonntag bist du tot“ dagegenhalten möchte. Stimmt auch.

Aber die Misere fängt ja nur damit an, dass uns diese „Courage“ den Marketenderwagen verweigert und uns stattdessen mit neutralweißen Warenkartons abspeist, die durch die Tür fallen wie Hühnereier oder Amazon-Pakete aus der Lieferdrohne. Das Elend ist noch nicht zu Ende, wenn wir merken, dass die Schlauheit und Fürsorge der Courage, die so gar nichts lernt und immer stur weitermacht, aber auch der Mut Eilifs, Schweizerkas’ Redlichkeit und die leerlaufende Fraulichkeit Kattrins ziellos bleiben, statt den Figuren zum Untergang – und uns zur Lehre zu gereichen.

Anna Steffens als Courage beugt in dieser Regie in Mainz nie mit Macht den Spielkosmos auf sich als Gravitationskern, sie liefert eher epi(demi)sche Blutarmut, aber zugegeben: Brechts „große“ (Schau-)Stücke sind schwer zu spielen. David T. Meyers boxender Eilif und Julian von Hansemanns Schweizerkas im Methodisten-Outfit haben ihre Momente. Kristina Gorjanowas lebenslustig tänzerische, elend gesetzte Yvette, Maike Elena Schmidts beredte Kattrin, Martin Herrmanns wendehälsischer Pastor, Daniel Mutlus buntscheckiger, elender Koch und Vincent Doddema als Militär gefallen gar noch mehr. Und doch reißen alle Darsteller, so dekorativ sie in und vor der Pipe aufgestellt sind, nie das Ruder herum.

Staatstheater Mainz: 20., 30. Juni, 7. und 14. Juli. www.staatstheater-mainz.com

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