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„Monsieur Pierre geht online“ in der Komödie Frankfurt: Er ist drin

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Von: Judith von Sternburg

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Christian Wolff als Monsieur Pierre. Foto: Helmut Seuffert
Christian Wolff als Monsieur Pierre. Foto: Helmut Seuffert © Helmut Seuffert

„Monsieur Pierre geht online“ eröffnet die Spielzeit an der Komödie Frankfurt nicht laut, aber frech.

Lustiger als Monsieur Pierres Schwierigkeiten mit dem Internet, die aber auch schon ziemlich lustig sind, ist die Geschwindigkeit, mit der er sie überwindet und sich auf einem Dating-Portal anmeldet. Etwas unmodern Skrupelloses liegt darin, und Christian Wolff spielt es unter der Regie von Horst Johanning auch so: rasch, beiläufig, ungezogen und im Moment verhaftet, ohne an die Konsequenzen zu denken.

Kaum hat Pierre, der Computer bisher ganz überflüssig fand, also verstanden, wie er reinkommt, legt er schon ein Profil an. Er stellt sich dabei im Enkelalter vor, um Frauen im Alter seiner Enkelin kennenzulernen. Der Mann, dessen Foto er dafür verwendet, ist auch in der Tat der Freund seiner Enkeltochter. Jetzt soll der Verdatterte ihn beim ersten Treffen mit der liebreizenden Flora vertreten. Monsieur Pierre überträgt das Avatar-Prinzip sozusagen auf das wirkliche Leben, und zwar ohne mit der Wimper zu zucken.

Diese von des Gedankens Blässe nicht angekränkelte Direktheit ist entwaffnend, über den Abend legt sie eine Entspanntheit, die auch entspannt bleiben kann, denn Pierres Plan geht zwar zuerst auf, aber nur, um dann gar nicht mehr aufzugehen. Flora verliebt sich kurzerhand in den Avatar, und obwohl sie die Post von Pierre, einem neuen, uralten Cyrano de Bergerac, weiterhin zu schätzen weiß, zögert sie nicht einen Moment, als es heißt, sich zu entscheiden. Dass Pierre sich für den Fall der Fälle schon einschlägige Pillis beschafft hat, fällt auf ihn zurück, ist aber auch nicht schlimm. Jeder blamiert sich nach seinen Möglichkeiten, und an dieser heiteren, aber nicht lauten, aber doch lebenszugewandten Aufführung ist selbst das Wort Blamage zu groß.

„Monsieur Pierre geht online“ kam vor fünf Jahren als Film heraus, eine schöne Altersrolle für den hochbetagten Pierre Richard. Die Bühnenfassung von Folke Braband eröffnete nun die Spielzeit an der Komödie Frankfurt, wo nach (hoffentlich nach) den Corona-Tiefpunkten dringend Normalität erforderlich ist. Die Premiere nicht ausverkauft, aber gut besucht.

Tom Grasshofs Bühne wechselt Wohnungen und Länder mit Kleinigkeiten und wechselnden Aussichten (denn während Pierre noch übt, arbeiten die Theater längst mit allen Schikanen). Paris und Brüssel sind die illustren Schauplätze, aus Fernost wird noch der Rivale des jungen Mannes zugeschaltet, der zu Beginn der Handlung immerhin noch mit Pierres Enkeltochter zusammen ist. Der Herr Großpapa, wie gesagt, ist nicht gerade der verantwortungsvolle Typus.

Christian Wolff, vielen Menschen als Förster aus dem Forsthaus Falkenau bekannt, tritt hier erneut (nach „Fremde Verwandte“, 2018) mit seinem Sohn Patrick Wolff an, der Pierres Stellvertreter bei Flora spielt. Flora ist Katja Straub, die die Unverschämtheit der Männer so sportlich wegwischt, dass sie zum Gelingen der Aufführung wesentlich beiträgt. Sie hat kurz ein Die-spinnen-doch-Gesicht, dann zuckt sie mit den Schultern und schnappt sich den, der ihr gefällt. Nun, auch Pierre wird sich zu helfen gewissen.

Überzeugend außerdem Barbara Bach als seine vielbeschäftigte Tochter und Julia Gröbl als anspruchsvolle Enkelin. Die Lässigkeit und Gleichmut der drei Frauen unterläuft den Drall, den die Handlung ins unangenehm Kumpelhafte nehmen könnte.

Komödie Frankfurt: bis 6. November. www.diekomoedie.de

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