Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zeichen gen Himmel in Martin Schläpfers „4“.
+
Zeichen gen Himmel in Martin Schläpfers „4“.

Wiener Staatsopernballett

Mit eleganter Melancholie

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Martin Schläpfer startet als Ballettchef in Wien, seine Mahler-Choreografie „4“ ist vorerst auf Arte zu sehen.

Hans van Manen, könnte man meinen, hat die getanzte Beziehungsgeschichte „Live“ für diese Corona-Zeit choreografiert: Eine einzelne Tänzerin auf der Bühne und live gefilmt, dann in den Staatsopern-Flur wandernd, wo ein Tänzer auf sie wartend lehnt, zuletzt ist sie wieder allein, zieht einen Mantel an, geht auf die Straße. Das mit jeder Streckung des Spitzenschuhs sprechende Stückchen zu Musik zu Franz Liszt entstand freilich schon 1979; es eröffnet nun Martin Schläpfers erste Premiere als Chef des Wiener Staatsopernballetts, er selbst schuf dafür mit dem ganzen großen, prächtigen Ensemble „4“ zu Gustav Mahlers 4. Sinfonie. Axel Kober dirigierte das Staatsopernorchester.

An die herb-prägnante Yuko Kato werden sich Mainzer Tanzinteressierte vielleicht noch erinnern, Schläpfer holte sie 1999 ins dortige Ensemble. In „4“ tanzt sie gemeinsam mit Rebecca Horner eine Art roten Faden, ein Frauenpaar, das sich stützt und hält, tröstet und aufhilft, an der Hand nimmt. Sie setzen die Stimmung in diesem Ballett, das keineswegs versucht, eine Geschichte zu erzählen, aber auf typisch Schläpfersche Manier auch klare Gesten einbaut wie die Hände vor dem zum stummen Schrei geöffneten Mund oder den betrübt gesenkten Kopf.

Schon immer setzte der Schweizer gerne Widerhaken in überwiegend elegant fließenden Balletten, nicht immer sind diese Haken glücklich gewählt, das ist hier nicht anders. Gern lässt er Tänzerinnen den Spitzenschuh wie im Protest auf den Boden donnern, hier tun sie das einmal im Sitzen, was allenfalls seltsam wirkt. Diesmal gehören auch die Kostüme Catherine Voeffroys zu diesen Störelementen, die Frauen stecken in Diseusen-Schick, die Männer lassen mit Kummerbund an Gigolos denken.

Abstand zur Verzweiflung

Aber „4“ ist ein zurückgenommenes, leicht melancholisches Ballett, eines, in dem sich kleine und große Formationen in aller Ruhe abwechseln, in dem sich Paare wie von selbst fügen, große Gruppen von Männern und Frauen getrennte, markante Auftritte haben. Die Männer tragen einmal einen Kollegen, zuerst steht der Getragene auf den Händen seines Trägers, dann sinkt er ihm wie sterbend schwer auf den Rücken.

Es geht um Leben und Tod, aber nicht um Extreme. Dem Niedersinken geht kein Aufbäumen voraus. Leichte Momente machen kurz vor der Fröhlichkeit Halt. Dunkle halten Abstand zur Verzweiflung, denn wohlgefügt klassisch und unaufgeregt präsentieren sich die allermeisten Bewegungsfolgen.

Wahrscheinlich aber, dass der Bildschirm den Eindruck herunterdimmt. Profis des Senders Arte haben sich um die Aufzeichnung bemüht, fünf Kameras kamen zum Einsatz, aber die Ensembleszenen entfalten ihre komplette Wirkung nur, wenn die Phalanx aus Tänzerinnen und Tänzern leibhaftig auf einen zukommt. Es entsteht dabei eine Energie, die über die Rampe in den Saal strömt wie eine Welle. „Live“ und „4“ werden aber sicher ins Repertoire flutschen, sobald es geht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare