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Schauspiel Frankfurt

Michel Friedman über Antisemitismus: Die neue Schamlosigkeit

Michel Friedman im Schauspiel Frankfurt über Antisemitismus als keineswegs jüdisches Problem.

In den Trümmern der Spielzeit wird getan, was möglich ist. Das Schauspiel Frankfurt setzt seinen Schwerpunkt zum Antisemitismus fort, aus dem Schauspielhaus wurde nun ein Gespräch der Journalistin Ferdos Forudastan mit dem Publizisten Michel Friedman gesendet. Friedman schlug einige Pflöcke ein, die einem inzwischen bekannt vorkommen mögen. Aber sie sind dadurch nicht weniger wesentlich.

Der Antisemitismus unserer Tage sei nicht neu, betonte Friedman, aber er sei schamloser und komme unverhohlen aus der Mitte der Gesellschaft. Auch das sei zwar nicht ganz neu, aber es habe eine neue negative Qualität, dass sich eine rechtsextreme Partei im Bundestag und in den Landesparlamenten festsetze. Das Wort „Protestwähler“ kann Friedman in diesem Zusammenhang nicht mehr hören. Warum, fragte er, solle man die Wählerinnen und Wähler der AfD weniger ernst nehmen als die anderer Parteien. Und umgekehrt: Warum sollte man die Wählerinnen und Wähler der AfD aus der Verpflichtung entlassen, mit der Partei auch ein Programm unterstützt zu haben. Ein anderes Beispiel: Offenbar habe die Politik wenig Probleme damit, sich mit einem offenen Antisemiten wie Viktor Orbán an einen Tisch zu setzen.

Nach 1945 habe es immerhin den Anspruch gegeben, so Friedman, den Antisemitismus zu bekämpfen. Das Schweigen der Zeitzeugen habe das nachhaltig erschwert, denn wenn Friedman das Wort benutzt, meint er durchaus auch oder sogar vornehmlich die Täter. Die große Menge. Auch die erhebliche Menge derer, die damals in die neue Demokratie „integriert“ werden mussten. Um das zu ermöglichen, habe man die Dinge zurechtgebogen und sich darauf geeinigt: „Jetzt sind wir alle demokratisch.“ Einige Jahrzehnte habe das funktioniert.

Woher, fragte Ferdos Forudastan, die wachsenden Demokratiezweifel unserer Tage? Friedman verwies darauf, dass der Pluralismus einer Gesellschaft auch Demokratie anstrengender mache. Erneut ging es um die Schwierigkeit, Komplexität auszuhalten.

Was tun? Friedman riet dazu, sich weiterhin einzumischen. Er ermunterte dazu einzusehen, dass wir jetzt die Zeugen unserer Zeit sind, mit aller Verantwortung, die das mit sich bringt. Er forderte, das Problem des Antisemitismus als Problem jedes Menschen zu begreifen. Das ist eines seiner unwiderstehlichen, aber in der Debatte immer wieder beiseite gelassenen Argumente: Nicht als Jude verwahre er sich ja gegen Antisemitismus, erklärte er, sondern als Mensch und Demokrat.

Schauspiel Frankfurt: Das Video bleibt noch eine Woche online. www.schauspielfrankfurt.de

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