+
Fabian Goedecke und Marlene Zimmer in der Frankfurter „Mausefalle“. 

Theater

„Die Mausefalle“ im Rémond-Theater: Gründe, ihnen zu misstrauen

  • schließen

Agatha Christies „Die Mausefalle“, jetzt quicklebendig im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater.

Angeblich hat das Londoner St. Martin’s Theatre seit 1952, seit dort Tag für Tag Agatha Christies „Die Mausefalle“ aufgeführt wird, mehr als 320 Tonnen Eiscreme verkauft. Ja, die Briten haben, abgesehen vom Brexit, auch lobenswerte Angewohnheiten: sie verkaufen in ihren Theatern Eiscreme. Das Frankfurter Fritz-Rémond-Theater bedauerlicherweise nicht, auch soll die „Mausefalle“ dort schon Anfang Dezember von „Drei Männer im Schnee“ abgelöst werden. Man muss sich also ein wenig beeilen, will man erleben, dass die Mutter aller Krimi-Stücke auch heute noch ziemlich fit und sehenswert ist.

Unzählige Varianten auf den isolierten, einsamen Ort, an dem unter den Anwesenden ein Mörder sein muss, gibt es inzwischen; es ist schon fast ein eigenes Krimi-Untergenre. In Christies Monkswell Manor – einst Herrenhaus, jetzt Pension – kommen also fünf seltsame Gäste an, dann trifft, das Haus ist nun eingeschneit und von der Welt abgeschnitten, ein Polizist auf Skiern ein. Sergeant Trotter weiß zu berichten: Der Mörder einer Londonerin habe sein Notizbuch verloren, darin stehe ausgerechnet die Adresse von Monkswell Manor. Erkennungsmelodie des Mörders sei außerdem das Kinderliedchen von den „Three Blind Mice“, drei blinden Mäusen. Es werde folglich zu zwei weiteren Morden kommen, die es zu verhindern gelte.

Doch wie, wenn in dem großen verwinkelten Haus – die Bühne Tom Grasshoffs lässt viele Flure und Treppen ahnen – jeder woanders hin verschwinden kann. Wenn die seltsamen Gäste zudem partout nicht mit der Sprache herausrücken, ob sie etwas zu tun hatten mit einem alten Fall, in dem drei Kinder zu einer sadistischen Pflegefamilie gegeben wurden. (Da wirkt die „Mausefalle“ heutiger, als einem lieb sein kann.) Alle sind sie irgendwie verdächtig, im Rémond wird das unter der Regie Heinz Kreidls mit Lust und Geschick ausgespielt.

Zuerst kommt ein treuherziger junger Mann namens Chris an, Pascal S. Grote, der der Pensionswirtin gleich beim Kochen helfen will und Polizisten schwärmend „so streng und hartgesotten“ findet. Hm. Dann der miesepetrige Gouvernantentyp Mrs. Boyle, Ricarda Klingelhöfer, die jeden Holzwurm im Paneel findet. Major Metcalf, René Toussaint, trägt indessen ihre Taschen rein. Später wird er die Kellerräume inspizieren, per se ein Grund zu Misstrauen. Miss Casewell, Carolin Freund, ist herb und geheimniskrämerisch. Man weiß ja, wie das mit herben Frauen ist. Und Mr. Paravicini, Francesco Russo, schließlich taucht unangemeldet auf: Autopanne. Man weiß ja, wie das mit dubiosen Autopannen ist.

Auch das junge Pensionswirte-Paar, Marlene Zimmer und Steffen Happel, scheinen etwas verheimlichen zu wollen. Mindestens sind sie heimlich nach London gefahren. Wie soll da ein simpler Sergeant, Fabian Goedecke, den zweiten Mord verhindern?

Selbstverständlich wird die überraschende Auflösung – Agatha Christie war eine Meisterin der überraschenden Auflösung – nicht verraten. Nach dem kräftigen Applaus bittet im Rémond-Theater schließlich Sergeant Trotter persönlich darum.

Fritz-Rémond-Theater im Zoo,Frankfurt: bis 1. Dezember. www.fritzremond.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion