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Hier am Mikro Edda Wiersch. Robert Schittko
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Hier am Mikro: Edda Wiersch.

Staatstheater Darmstadt

„Mädchen wie die“ in Darmstadt: Jugend im Boxring

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Dicht dran am Leben: Evan Placeys „Mädchen wie die“ in Darmstadt.

Die Frage ob „Mädchen wie die“ wirklich Theater für Jugendliche ist oder nicht eher Erwachsenen Gelegenheit gibt, sich ins Bild zu setzen, bleibt auch in Darmstadt offen. Der in London lebende Kanadier Evan Placey erzählt in dem 2013 uraufgeführten, vielbeachteten Stück ohnehin von menschlicher Gemeinheit, wie sie keinesfalls nur unter Mädchen vorkommt. Interessant, dass man von Mädchen mehr erwartet hätte, das ist eigentlich der Punkt.

An einem traditionsreichen Internat ist man eine große Familie, einerseits, andererseits taucht jetzt das Nacktfoto einer Mitschülerin auf und wird von Handy zu Handy weitergereicht. Placey erzählt von Gruppendruck und Mobbing, vom feigen Wegducken und von der recht unverhohlenen Freude angesichts einer Blamage, die dank der Unermüdlichkeit der Mitschülerinnen ins Existenzielle sich weitet. Jungen, obwohl sie als Zuschauer im Stück eine wichtige Rolle spielen, braucht es übrigens gar nicht dafür, und auch die neue Produktion der Theaterwerkstatt am Staatstheater Darmstadt ist Frauensache gewesen. Yasmina El Aallali, Ida Horst, Katrin Katzenmeier, Maja Mae Mittelstädt, Maryam Nayyer, Susanne Ullrich, Yanna Vick, Nurcan Yildiz und die Schauspielerin Edda Wiersch spielen unter der Regie von Nike-Marie Steinbach: im Stück ein Kollektiv, das auch ein Kollektiv bleiben soll und will – alle waren nur zufällig dabei –, auf der Bühne dagegen Frauen unterschiedlichen Alters. An ihrer Individualität ändern die peppigen Kostüme nichts, ein eigentümlicher Kontrast, der der Konstruktion gut tut. „Mädchen wie die“ ist weniger eine Erzählung – obwohl es spannend genug ist – als eine Reflexion über das und Abrechnung mit dem Jungsein, Mädchensein, Mensch-in-der-Gruppe-Sein.

Hühner und Boxerinnen

Die Produktion spielt vor dem Gebäude des Staatstheaters. In der Mitte ein Boxring (Ausstattung: Marie Ruth van Aarsen und Felicitas Higgins), das Publikum auf Stühlen in luftigem Abstand. Der öffentliche Raum fängt direkt daneben an, mit Fußballspielern und Flanierenden in der Abendsonne. Auch das Stück soll sich ja aus dem normalen Leben entwickeln. Die Mädchen, hier: Frauen, sind Hühner und Boxerinnen, wie nicht nur gesagt, sondern auch demonstriert wird. Die Aggression ist angelegt, bevor das Foto auftaucht. Die Ereignisse an der Schule werden von Rückblicken ins Leben von Frauen in früheren Zeiten unterbrochen – in einem dramaturgischen Dreh bringt Placey das am Ende clever zusammen. Den Darmstädterinnen gibt es die Möglichkeit, eine abwechslungsreiche Nummernabfolge zu gestalten, Schauspielerin Wiersch übernimmt das Spiel der Rückblenden. Momente der Unsicherheit – die Probensituation wird schwierig gewesen sein – passen vorzüglich zum Text.

Irritierend: Placeys Idee, dass es früher unter Frauen besser gewesen sei, aber sehen Sie selbst.

Faszinierend: Im Publikum gleich nebenan zwei Jungen, die angesichts von Frauen in Boxershorts außer sich geraten, so sehr, dass ihnen offenbar entgeht, wie viel das Stück mit ihnen zu tun hat. Sie trollen sich zu den Fußballspielern. Näher kann Theater kaum ans Leben geraten.

Staatstheater Darmstadt: 11., 15., 30. Juni. www.staatstheater-darmstadt.de

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