Komödie Frankfurt

Der Macho und der Sanftmütige

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"Mein bester Freund", spielfreudig in der Frankfurter Komödie .

Diesen Mann möchte wohl niemand zum Freund haben. Denn Bernard nutzt die Menschen nur aus. Am schlimmsten trifft es dabei den gutmütigen Philippe. Der ist zu nett, um Nein zu sagen. Mit dem Resultat, dass er seine eigene Beziehung zu seiner Lebensgefährtin Alice aufs Spiel setzt, um zu verhindern, dass Bernards Frau Nelly von dessen Affäre mit der jungen Soraya erfährt.
Der 1956 in Tunis geborene Autor Eric Assous hat sich dieses Verwirrspiel, das im Original sehr treffend als „Mein bester Freund“ firmiert, 2011 erdacht. Doch anders als auf dem Boulevard sonst üblich, rücken die Geschlechterbeziehungen dabei in den Hintergrund. Es geht vielmehr darum, was einer hinzunehmen bereit ist, um die Erwartungen zu erfüllen, die ein vermeintlicher Kumpel in ihn setzt. 

Regisseur Thomas Schendel verrät dies nun unter dem abgehobenen deutschen Titel „Das Blaue vom Himmel“ in der Frankfurter Komödie. Dafür hat er ein sehr spielfreudiges kleines Ensemble zusammengebracht. Am vielseitigsten erweist sich darin Marko Pusti?ek, der als betrügender Ehemann sämtliche Register zieht. Auf den ersten Blick ist er smart und gut situiert, aber bald werden die Schwächen deutlich, die dem triebgesteuerten Macho und seinem Umfeld das Leben schwer machen. Finanziell abhängig von seiner äußerst extravaganten Gattin (Anouschka Renzi) und deren Vater, verstrickt sich der Lügenbaron immer mehr im selbst gesponnenen Netz von Ausreden und Märchengeschichten. 

Scheinbar verzweifelt, zeigt er dann sein weinerliches Gesicht und läuft sogar puterrot an. „Ich dachte, man kann nur in der Liebe enttäuscht werden“, schluchzt Bernard Richtung Publikum, um den weichherzigen und nicht nur körperlich unbeweglichen Philippe (Harald Effenberg) doch wieder auf seine Seite zu ziehen. Der muss, sichtbar unschlüssiger werdend, hilflos mitansehen, wie er schamlos in den Dreck gestoßen und auch von seiner Freundin, von Susanne Eisenkolb nett und sympathisch dargestellt, dort allein gelassen wird. Doch irgendwann erträgt auch der Sanftmütigste sein Leiden nicht mehr.

Die Handlung, die ausschließlich in der von Tom Grasshof entworfenen schicken, aber rund um das unverzichtbare rote Sofa in der Mitte noch mit Umzugskartons gespickten Altbauwohnung Philippes spielt, hat nach anfänglichen Längen da schon mächtig Fahrt aufgenommen. Bernard kommt irgendwann nicht mehr mit, und vor den Augen seiner hübschen, aber einfach gestrickten und natürlich blonden Geliebten (Felicitas Hadzik) fliegt alles auf. Jedes Wort, mit dem der Betrüger an Moral und Ehrgefühl appelliert, wird von den Premieren-Zuschauern mit Gelächter bedacht. 

Doch das Vergnügen hat nicht bis zum Ende des knapp zweieinhalbstündigen Abends Bestand. Denn wie es bei derartigen Lustspielen nicht selten ist, mangelt es auch dieser Charakterstudie am letzten Pfiff. Die Läuterung des Enttarnten ist nur von kurzer Dauer, schnell gewinnt sein Selbstbewusstsein wieder Oberhand. Im Bett glaubwürdigen Zeugenaussagen zufolge der große Schweiger, schwingt der Dampfplauderer bald wieder große Reden. Man fühlt mit, wie schwer das auszuhalten ist.

Komödie Frankfurt: bis 27. Januar. www.diekomoedie.de

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