Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das ist der Mond über Soho: Tom Gerber und Barbara Dussler.
+
Das ist der Mond über Soho: Tom Gerber und Barbara Dussler.

Staatstheater Wiesbaden

Ja, mach nur einen Plan

Die erste Premierenrunde der Intendanz von Uwe Eric Laufenberg am Staatstheater Wiesbaden ist vorbei: Mit einer arg bemühten „Dreigroschenoper“ und einem extrem introvertierten „Baumeister Solness“.

Die Dreigroschenoper“ geht immer und ist immer unmöglich. Bertolt Brechts gewitzte Texte und Kurt Weills geniale Songs müssen sie zu einem Schatz des bürgerlichen Musikfreundes machen, dem sie doch einen Schrecken einjagen sollte. Aus diesem Widerspruch kommt keiner heraus, auch Thorleifur Örn Arnarsson nicht, der sie jetzt im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheaters inszeniert.

Thorleifur Örn Arnarsson ist der neue leitende Regisseur am Staatstheater Wiesbaden. Nebenan in Mainz bestach er zuvor etwa mit seinem ausgeklügelten, bildmächtigen Umgang mit der „Göttlichen Komödie“. Nun bemüht er sich um Sinnlichkeit und Repräsentativität – es ist die erste große Premierenrunde der neuen Intendanz – und zugleich um ironischen Abstand.

Vorab singt aber die Schauspielerin Sólveig Arnarsdóttir sehr einsam im erhöhten Orchestergraben das Lied der Spelunken-Jenny. Die Orchestermusiker treten diskret hinzu, so dass die Musik sich langsam Raum schafft. Christoph Stiller dirigiert nachher, sehr scharf und flott.

Dann geht der Vorgang auf, und die Bühne war wüst und leer. Einerseits bleibt sie es nicht lang, Bühnenbildner Matthias Schaller hat einiges aufzufahren. Andererseits soll sie doch ihre rauen Innenwände zeigen, wie auch im Folgenden im Prinzip alles bloßgelegt werden soll. Die Schauspieler fallen aus ihren Rollen, sprechen sich mit ihren Vornamen an, streiten, räumen schließlich ein, dass auch das natürlich abgesprochen war.

Ständig setzen sie also dem V-Effekt einen drauf, den Peachum, Uwe Kraus, zur Sicherheit noch erklärt. Auch ein ironisch erhobener Zeigefinger (hier sind es meistens zwei, für den Buchstaben) ist ein erhobener Zeigefinger.

Verschiedenes wird angesprochen, ausgesprochen und durchaus breitgetreten, auch die schlechte Bezahlung der Schauspielstudentinnen, die als vielseitig verwendbares, leicht bekleidetes Trüppchen ihr Bestes tun. Das ist wahnsinnig durchschaubar, soll es zweifellos auch sein, aber man erschreckt trotzdem über so viel Mut zur Einfachheit (leider weniger über die schlechte Bezahlung, obwohl sie wirklich nicht gut ist).

Wo die Selbstironie aufhört

Dann geht es zurück in die Rollen, hier zumeist die Rollen der reinen Komödie, des situativen Klamauks. Macky, Tom Gerber, und Polly, Barbara Dussler, zerhauen zur Feier des Tages ein Klavier. Zankende Frauen zappeln an der Decke. Dann bekommt wieder einer einen Schreianfall, weil man so den Problemen der Zeit nicht gerecht werden könne. Und er hat natürlich recht.

Trotzdem fragt man sich, ob man nun eher hoffen oder fürchten, dass die Regie auch das ironisch meint. Meint sie es ernst, dann ist das bei aller Liebe zur Selbstironie eine, äh, Bankrotterklärung für die Inszenierung. Meint sie es jedoch nicht ernst, was will sie dann damit sagen? Dass man ein schreiender Trottel ist, wenn man vom Theater fordert, sich Problemen der Zeit zu stellen?

Der Abend, dreieinhalb Stunden, ist raumgreifend. Nach was er greift, bleibt offener, als es der freundliche Applaus (bisschen erschöpft, wenige Buhs) vermuten ließe.

Etwas ganz anderes versucht Ingo Kerkhof einen Tag später, Henrik Ibsens „Baumeister Solness“ im Kleinen Haus. Alles ist karg, zwischen Holzraumteilern (Bühne: Florian Parbs), in gezieltem Licht und zu minimalistischer Lautuntermalung in den Zwischenräumen quälen sich die Figuren sehr: mit dem Misslingen ihres Lebens, ihrer Schuld, ihren Träumen.

Ein ernster, reiner Schauspielerabend, wenngleich die Darsteller verhalten bleiben. Sehr weit nach innen gekehrt ist Nicolas Brieger als alternder Architekt. Janina Schauer spielt als Hilde Wangel das blühende Leben mit scheuer Exaltiertheit. Problemlos mischt sich Ulrike Arnold als für die am Knie versehrte Monika Kroll eingesprungene Frau Solness in die gedämpfte Handlung. Die allerdings einen beträchtlichen Sog entwickelt, einen lähmenden Sog. Merkwürdig, was es alles gibt.

Etwas aufdringlich allein der Einfall, bisweilen kleine Kinder auf die Bühne zu schicken. Auch wenn es um Kinder geht, klar. Sehr starker Beifall.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare