Natalya Karmazin

Lust auf Form und Spannkraft

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Natalya Karmazin mit ihrer Karma Jazz Group in der Romanfabrik.

Ihre Musik wirkt einesteils ausgesprochen aufgeräumt, dabei freigeistig, frisch, kraftvoll, fantasiereich und klar strukturiert. Das Quintett Karma Jazz Group um die seit beinahe zwanzig Jahren in Frankfurt lebende ukrainische Pianistin Natalya Karmazin präsentierte sich bei seinem unter dem Motto „Go On“ stehenden, gemeinsam mit der Jazzinitiative ausgerichteten Konzert in der Romanfabrik in einer ausgezeichneten Form. Karmazin, Jahrgang 1976, spielt ihr Instrument einesteils gerne mit einer apart zupackenden, in einer eleganten Art und Weise federnden perkussiven Wucht. Auf der anderen Seite ihres Ausdrucksspektrums stehen spätromantische und impressionistische Klanggespinste, Griffe in die Klaviersaiten inbegriffen.

Bei dem 2006 gegründeten und drei Jahre darauf mit dem Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt ausgezeichneten Quintett handelt es sich um ein hochkarätig besetztes, überwiegend lokales All-Star-Solistenensemble. So sehr Karmazins Musik auch kompositorisch ausformuliert sein mag, sie lässt Raum für applausträchtige solistische Exkurse, ohne dass sich der Eindruck einstellen würde, hier werde konventionell die Solostafette herumgereicht.

Daniel Guggenheim am Tenor- und Sopransaxofon spielt mit einem verwegenen lyrisch expressiven Ton; schattierungsreich und in einer präsenten Art zurückhaltender wirkt daneben der in Köln lebende russische Altsaxofonist Evgeny Ring. Von einem melodischen Denken getragen sind die Basslinien von Christoph Rücker. Mit einem so schnittigen wie feinsinnigen Drive und einem untergründigen Groove spielt Martin Standke am Schlagzeug. Mal auch verkleinert sich die Band für eine Nummer, etwa zum intim musizierenden Trio um Karmazin, Ring und Rücker. Seine Virtuosität stellt hier niemand aus, sie bleibt das Mittel zum musikalischen Zweck.

Das ist ein neugieriger, eminent inspirierter und aufgeklärter Mainstream im Sinne eines freisinnig geweiteten Hardbop-Terrains. Dazu mit einnehmender dynamischer Spannkraft und einem lustvollen Formwillen. Großartig, ohne Abstriche.

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