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Beim ausführlichen Küssen.

Volkstheater Hessen

„Der Lügner“ im Volkstheater Hessen: Und, ist er etwa tot? Na also!

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Das Volkstheater Hessen zeigt unbesorgt und munter Goldonis „Der Lügner“ .

Womöglich hat „Donaldo Trumpini aus Nied“ die Schauspielerin und Regisseurin Carola Moritz dazu inspiriert, Carlo Goldonis nicht gerade häufig aufgeführte Komödie „Der Lügner“ von 1750 auszugraben. Jedenfalls nahm sie die ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammende Übersetzung von Justus Heinrich Saal und frischte sie ein wenig mit aktuellen Anspielungen auf, siehe oben. Vier Akteure und vier Akteurinnen des Volkstheaters Hessen, darunter Moritz selbst in einigen Rollen, machen das Stückchen nicht schwergewichtiger, als es ist: Man wedelt mit einem hellblauen Tuch und hat schon den Canale Grande vor Füßen – „Der Lügner“ spielt in Venedig -, man ficht mit dem Florett gegen einen langen dünnen Rettich und isst im Notfall ein bisschen Papier.

Alles kommt nun im Kulturhaus Frankfurt zweieinhalb Stunden lang unbesorgt, traditionell (die Kostüme) und dezent augenzwinkernd daher, bei den Diener- und Wirtsfiguren in moderater hessischer und wienerischer Mundart. Unbesorgt übrigens auch dann, wenn der ein oder andere Witz ein wenig ächzen lässt. Vor allem Frauen kommen nicht gut weg, sind sie hier doch „flatterhaft“, „einfältig“ sowieso – und glauben darum alles (die Männer freilich auch). Aber wenigstens muss Lelio Bisognosi, der sich mal als Adeliger, mal als verheiratet, dann wieder ledig ausgibt, am Ende angemessen büßen. Und Diener Arlecchino braucht die unverschämten Lügen seines Herrn nicht mehr zu bestätigen, sobald dieser – der sprichwörtliche Wink mit dem Zaunpfahl – niest. Man kann sich denken, dass so ein kleines Nies-Konzert inklusive vielfacher „Gesundheit!“ beim Publikum fabelhaft ankommt.

Lelio, Sohn eines Venediger Kaufmanns, aber in Neapel aufgewachsen, so dass sich Vater und Sohn zuerst gar nicht erkennen, soll verheiratet werden. Stante pede aber verliebt er sich in Rosaura, eine von zwei Arzt-Töchtern, die vom extrem schüchternen Florindo so diskret umworben wird, dass sie gar nicht weiß, wer ihr eine Serenade, meterweise feinste Spitze und ein Gedicht vortragen/ bringen lässt. Lelio, „doch nur die Gelegenheit“ nutzend, gibt die Liebesbeweise als die seinen aus. Was soll er machen, der arme Kerl, wenn die Wahrheit seinem Fortkommen hinderlich ist? Seine Logik könnte von Donaldo Trumpini stammen: „Wenn ich noch einmal lüge, will ich tot umfallen. – Und, bin ich tot?“

Nein, ist er auch zum Schluss nicht, dies ist schließlich eine Komödie. In der die zarten, rasend verliebten jungen Leute aus Ohnmachten wieder aufwachen, sich alle kriegen, die sich kriegen sollen, und ein ausführliches Küssen einsetzt. In meist mehr als eine der Rollen schlüpfen unter der Regie und Mitwirkung von Carola Moritz: Ute Büttner, Michael Fernbach, Alexander Haubrich, Soraya Mezhère, Thilo Richter, Alexander M.  Voigt und Milana Weidmann. Auch das muntere Stühle- und Tischerücken besorgen sie selbst.

Volkstheater  im Kulturhaus Frankfurt: 13. November. Im Saalbau Südbahnhof: 18., 19. November, 2., 5. Dezember. www.volkstheater.eu

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