Faust am Boden, Kunigunde und Mephisto.

Theater Koblenz

Bis ihn am Ende die Teufel holen

Louis Spohrs „Faust“, possierlich am Theater Koblenz.

Von Judith von Sternburg

Die Opern Louis Spohrs (1784-1859, in Kassel) wurden wie weite Teile ihrer romantischen Zeitgenossen durch die kommenden Großformate von den deutschen Spielplänen geschwemmt. Zu feingliedrig, possierlich gar erschienen sie neben dem „Fliegenden Holländer“ – inhaltlich wie musikalisch –, während Richard Wagner von Spohr so viel lernte, dass nicht einmal er es leugnete.

Am Theater Koblenz lässt Intendant Markus Dietze nach seiner eigenen effektvollen Inszenierung von Heinrich Marschners „Vampyr“ vor anderthalb Jahren nun erneut etwas Romantisches probieren. Der Ort, bewundernswürdig in seinem ursprünglichen Stand von 1787 erhalten beziehungsweise rekonstruiert, könnte nicht besser dafür geeignet sein. Auch Spohrs „Faust“ von 1816 – 1852 durch Rezitative ergänzt – findet auf der kleinen Bühne mit den nahen Zuschauern (eine Ansage ohne Mikro: kein Problem) die perfekte Umgebung. Zumal Regisseur Michiel Dijkema das kleinteilig Verspielte hervorhebt. Er vermeidet dadurch einerseits jede Verwechslungsgefahr mit dem großen Faust-Drama und lässt sich ohne Wenn und Aber auf die Nummernabfolge ein. Andererseits riskiert er Ermüdungserscheinungen und macht Spohrs Werk vielleicht auch etwas kleiner, als es ist.

Die Handlung, abenteuerlicher Natur, hat mehrere Quellen, Goethe ist nicht darunter. Faust paktiert aber auch hier mit Mephisto, der Ärger mit der Hölle hat und – der Vampyr lässt grüßen – eine Seele beischaffen muss, um von den Seinen wieder in Gnaden aufgenommen zu werden. Mephisto bemüht sich nun, Faust mit einer gewissen Kunigunde zu verkuppeln. Faust ist interessiert, kommt jedoch von seiner vorigen Geliebten Röschen nicht recht los. Beide Frauen haben ohnehin noch andere Verehrer, Kunigunde sogar zwei – bei einem sitzt sie derzeit eingesperrt im Vogelkäfig –, so dass für Verwicklungen, Verwerfungen und erneute Liebesschwüre reichlich Anlass ist. Selbst wenn man nicht restlos begreift, worin Mephistos diabolischer Plan besteht. Er funktioniert jedenfalls, am Schluss wird Faust von den Teufeln geholt, die immer wieder einmal das kleine Bühnenhalbrund umzingeln und Chorpassagen aller Art übernehmen.

Konsequent, aber mit Risiko

Dijkemas schlichte Bühne und Alexandra Pitz’ filzstiftfarbene Kostüme stellen die Zeichen auf sanfte Ironie und zivilisierte Anspannung. Immer wieder schließt sich der Vorhang, das nächste Bild wird mit einfachen Requisiten, aber stets abwechslungsreich umgebaut – Wirtshaustische, ein Grab, der Vogelkäfig –, und der Vorhang öffnet sich wieder, manchmal bloß für ein paar Minuten. Bei den Umbauten keine Musik, manchmal hört man einen leisen Bohrer, konsequent, aber, wie gesagt, nicht ohne Risiko. Man liefert sich Schwertkämpfe, Ritter sind so eingerüstet, dass sie sich kaum rühren können, Knappen bekommen in verlangsamten Slapstickszenen versehentlich auf den Kopf gehauen, und dass der Faust-Sänger Christoph Plessers Räder schlagen kann, ist auch eine schöne Überraschung.

Einwandfrei und mit Sinn für die Delikatessen der Partitur das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Spogis. Die Musik, etwa beim Hexensabbat, ist total bezaubernd. Stimmlich am auffallendsten am besuchten Abend erschien vielleicht Anna Karmasins durchsetzungsstark zwitschriges Röschen. Spohr fordert die Sänger, denen insgesamt ein kultivierter Umgang mit den Herausforderungen gelang.

Theater Koblenz:4., 6., 13., 17. Februar. www.theater-koblenz.de

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