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Dokumentarfilmer Manuel, Paco Gorriz, ernüchtert im Jahr 2050.
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Dokumentarfilmer Manuel, Paco Gorriz, ernüchtert im Jahr 2050.

Mousonturm

„Los Años“/“Die Jahre“: Niemand will mehr etwas aus der Konserve sehen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Mariano Pensotti und die Grupo Marea mit dem augenzwinkernden Stück „Los Años“.

Zuletzt wird auf das Jahr 2021 angestoßen, das doch hoffentlich besser werden wird. Zuletzt wird nebenan auf das Jahr 2051 angestoßen. Lässig treten die Personen von der Wohnung des Jahres 2020 in die Wohnung des Jahres 2050. Das haben alle den Abend über immer wieder getan, nur Hauptfigur Manuel gibt es sowohl als 30-Jährigen und als 60-Jährigen. Aber Moment, gegen Ende ist der junge Manuel Schauspieler und der alte sein Regisseur. Während Manuels Tochter Teodora sogleich angibt, auch ihre Mutter zu spielen, die 2020 mit ihr schwanger ist.

Der argentinische Regisseur Mariano Pensotti, 1973 in Buenos Aires geboren, und seine Grupo Marea haben mit leichter Hand ein Stück entwickelt – „Los Años“, „Die Jahre“ -, das mit Augenzwinkern die Spiel-im-Spiel-Ebenen und Zeiten wechselt. Erst die Ägypter, erfahren wir am Anfang, haben das Konzept des Jahres erfunden: Zuvor fragte sich niemand, was im neuen Jahr geschehen oder wie viele Jahre er noch leben werde. Man stand nicht unter Zeitdruck, man war nicht besessen von der Zukunft.

Der Mousonturm brachte jetzt die Produktion nach Frankfurt, an der sich u. a. die Münchner Kammerspiele und die Ruhrtriennale beteiligten, zeigte sie in seinem rückgebauten Theatersaal – in der Pandemie-Logen-Konstruktion hätte Mariana Tiranttes aufwendiges Bühnenbild gar nicht aufgestellt werden können.

Besessen von Raúl

Rechts haben wir die „Gegenwart“, 2050, links die nicht viel andere Wohnung des Jahres 2020, als Manuel einen Dokumentarfilm über einen Jungen namens Raúl drehte (Video: Martín Borini), mit dem er einigermaßen berühmt werden sollte. So besessen ist er von dem sich allein durchschlagenden Kind, dass er seine Frau vernachlässigt. Und auch die Aufnahmen nicht macht, die er seinem deutschen Freund Matthias versprochen hat, der seinerseits eine Deadline für eine Doku über die Architektur von Buenos Aires hat (Bilder von Gebäuden werden ebenfalls eingeblendet). Zwei Paare, die sich wohl im Studium kennengelernt haben, werden kurz darauf überkreuz neu zusammenfinden.

„Los Años“ ist eine unaufgeregte, melancholische Geschichte über Lebenswege, über männliche Verantwortungslosigkeit – Teodora wird ihren Vater kaum sehen, Matthias wird sich weit mehr um sie kümmern, natürlich wird sie das ihrem leiblichen Vater nachtragen – und nur am Rande (und in Form von Scherzen) geht es darum, wie die Welt möglicherweise in dreißig Jahren aussehen wird.

Sie isst nur Fleisch

Die Wohnung jedenfalls hat sich kaum verändert, im Regal unter der Treppe stehen weiterhin Bücher. Freunde von Teodora gehen Rehe jagen, die sich wegen der Öko-Regierung krass vermehrt haben. Sie isst zudem nur Fleisch, seit herausgefunden wurde, „wie schädlich Gemüse ist“ (Kichern im jungen Publikum) – dabei wollte ihr Vater aus Anlass des Wiedersehens eine mexikanische Gemüsepfanne kochen. Die Partei „Neue Kolonie“ hat Zuspruch, eine Partei, die den Anschluss an Spanien fordert. Und Live-Veranstaltungen sind ständig ausgebucht, denn „niemand will mehr etwas aus der Konserve sehen“.

Letzteres glaubt man sofort als Zuschauerin des Jahres 2021, es geht einem ja genauso. Man glaubt es auch dank Bernardo Arias Porras, Mara Bestelli, Paco Gorriz, Bárbara Masso und Marcelo Subiotto, die lässig und dabei eindrucksvoll präsent spielen.

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