Ditigales Theater

„Look At Me!“ im Digitalen Mousonturm: Der Hund von Oles Patentante

  • vonStefan Michalzik
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Versuch eines Videokonferenzstücks: Solveig Hörters „Look At Me!“ im Digitalen Mousonturm.

Man möge es sich bequem machen, heißt es auf einer Schrifttafel. „Vielleicht ist das Licht noch zu hell?“ Kopfhörer werden empfohlen. Das Stück „Look At Me!“ von der Gießener Regisseurin Solveig Hörter, das im „Digitalen Mousonturm“ Premiere hatte, beansprucht, ein originäres „digitales Theaterstück“ zu sein. Es macht sich die technischen Möglichkeiten des Videokonferenzdienstes Zoom zueigen.

A ls erstes Bild ist der Oberkörper von Ole zu sehen, ohne Kopf. Es braucht eine Weile, bis dieser das korrigiert. Ole wird gespielt von Solveig Hörter selbst, im heimischen Ambiente. Die männliche Kunstfigur führt als eine Art Anchorman durch das Stück, spricht allerdings nicht, sondern kommuniziert ausschließlich per Chat. Später verwandelt sich Ole, in einem Akt der dragmäßigen Travestie, in eine Frau, für eine amüsant pointierte häusliche Tanzszene.

Doch zurück zum Anfang. Offen gesagt: Chattexte in einem Kästchen am unteren Rand des Bildschirms zu lesen, ist auf Dauer anstrengend und es ödet mich an. Gleich, was Ole erzählen will. Das eindreiviertel Stunden lange Stück ist nummernförmig strukturiert. Im ersten Filmchen begleitet eine wacklige Kamera eine junge Frau in eine Sporthalle. Trampolinspringen, waghalsige Schrauben und Saltos. Worauf das hinauswill, wird nicht offenbar.

In kurzer Zeit viel gesagt

Bemerkenswert hingegen ein Gespräch mit dem aus Afghanistan stammenden Regisseur Reza Abbasi, der über seine Rolle als Fremder in der islamisch geprägten wie auch der hiesigen Gesellschaft spricht. Das beeindruckt in seiner Anrisshaftigkeit, in einer kurzen Zeit ist viel gesagt. Die Bilder entfalten eine Faszinationskraft, gerade weil Abbasi nicht zu sehen ist und die Kamera zackig-turbulent umherirrt. In einer Szene um Sputnik wiederum, den Hund von Oles Patentante, hält Ole ein Foto des Hunds in die Kamera und chattet ein wenig.

Der Ansatz ist dokumentarisch, zugleich besteht eine Nähe zum Experimentalfilm. Im Versuch, die Möglichkeiten des Mediums Internetkonferenz zu erproben, geht „Look At Me!“ nicht besonders weit. Es kann gechattet, gelegentlich auch über den Fortgang abgestimmt werden. Zum Schluss ziehen die Gesichter der überwiegend jungen „Teilnehmer“ vorüber, die in ihre Webcams schauen. Das Stück hat seine Momente, es fordert aber durch seine naturbelassen holprige Dramaturgie schon arg viel Einlassung.

„Digitaler Mousonturm“: 30. Mai, 18 Uhr. Infos zur Anmeldung und zu Zoom auf www.mousonturm.de

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