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Hier in ?Betrogen?: Sybille Weiser und Tim Kramer.

Staatstheater Wiesbaden

Liebe fängt immer schön an

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„Betrogen“ und „Toulouse“ in Wiesbaden.

Drei zeitgenössische Stücke in der Wartburg“ kreisen am Staatstheater Wiesbaden um das Thema „Vetrauen verloren“. Kein schönes Phänomen, aber es gibt auch Grund zu lachen. Und wer erst bei den hinteren beiden Stücken dabei sein konnten, weiß, dass er etwas verpasst hat. Auf David Mamets „Der Bußfertige“ folgten Harold Pinters „Betrogen“ und David Schalkos „Toulouse“. Auch die traurige Zweidrittelbesucherin kann von einem dramaturgischen Meisterstückchen (zuständig hierfür: Anika Bárdos und Wolfgang Behrens) sprechen. Und ihre Freude daran haben, wie sich rund um Sybille Weiser als feste Größe, als zappeliges Zentrum die komischen Dramen ausbreiten. „Toulouse“ wirkt in der Tat wie ein weiterer „Betrogen“-Akt, boulevardesker, durchgeknallter.

Aber „Betrogen“ ist auch schon gut. Sybille Weiser nur dabei zuzuschauen, wie sie im weißen, kühlen Bühnenbild von Regisseur Matthias Schaller auf jemanden wartet – sie ist aufgeregt, aber sie reißt sich zusammen, aber sie ist wirklich aufgeregt –, bereitet Vergnügen. Die Ankunft von Tim Kramer ist dann auch keine Enttäuschung. Emma und Jerry hatten eine Affäre, und nun sind sie irgendwie immer noch interessiert aneinander. Vor allem hat sich gezeigt, dass auch Emmas Mann, der mit minimalistischen Mitteln rasant komische Thomas Peters, fremdgegangen ist – eine völlig andere Sache, so Emma sinngemäß mit dem Irrwitz aller Fremdgehenden. Sie sieht sich vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Ab jetzt geht es in präzisen kurzen Szene rückwärts, bis hin zum ersten Kuss. Liebe fängt immer schön an.

Könnte man das Wort vorbei steigern, wäre in „Toulouse“ alles noch vorbeier. Aber herrlich: Sybille Weise wartet ja schon wieder, diesmal unter der Regie von Caroline Stolz und in Schallers mittlerweile unfassbar geblümtem Hotelzimmer, in dem sich noch dazu alle Gegenstände gegen Weiser, die jetzt Sylvia heißt, verschworen haben. Die Fläschchen aus der Minibar fallen ihr entgegen, das Bett ist ein Trampolin und das Radio ist unausstellbar. Aber noch viel komplizierter wird es mit dem Eintreffen von Gustav – ja, genau: wieder Tim Kramer. Sylvia und Gustav sind auch irgendwie noch immer interessiert aneinander, dasselbe Fragespiel beginnt, wie geht es dir, wie geht es dir, gut siehst du aus. Gustav war mit Sylvia zusammen, jetzt hat er eine viel jüngere Freundin, aber um Sylvia zu treffen, hat er sich eine komplizierte Lüge ausgedacht, die im Verlauf der nächsten Stunde recht brachial auseinanderfällt. Wie auch das Hotelzimmer.

„Toulouse“ (gerade als ARD-Mittwochsfilm gelaufen, mit Catrin Striebeck und Matthias Brandt) ist die weniger subtile Version von „Betrogen“. Beide Stücke aber springen mitten hinein ins moderne westliche Befinden. Hier wird gezagt und gelitten, aber es tut gut, dermaßen über sich zu lachen.

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