Springende Tänzer in "Sunny".
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Springende Tänzer in "Sunny".

Emanuel Gat Dance

Mit Leichtigkeit

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Emanuel Gats charmant beiläufig wirkendes Tanzstück „Sunny“ im Frankfurt LAB.

Ein interessant ausstaffierter Schamane betritt die Bühne des Frankfurt LAB als erstes, er trägt Maske, zotteliges Schaffell vor dem Bauch, eine Art Häkeldeckchen als Rock. Das seltsame Kostüm wird sogleich ergänzt von seltsamen, langsamen Bewegungen. Er geht ab, der Musiker Awir Leon stellt sich hinter sein elektronisches Pult und Mikro, ein Tänzerinnen- und Tänzertrüppchen umringt ihn, Duos bilden sich nach und nach. Diese hakeln sich je individuell ineinander, auf zarte Weise und als würden Puzzleteilchen von selbst ausprobieren, wie sie zusammenpassen. Oft scheint gar keine Berührung stattzufinden.

Im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main, für das sich in diesem Jahr Mousonturm und Hessisches Staatsballett zusammengetan haben, gastierte der israelische Choreograf Emanuel Gat mit seiner Company und dem einstündigen Stück „Sunny“ im LAB. Es bezieht seinen Titel von Bobby Hebbs 1966 erstmals veröffentlichtem, seitdem dutzendfach gecovertem Song – und das tut auch Awir Leon gleich zu Beginn mit feiner Intensität.

Seine elektronischen, oft repetitiven Musikstücke sind gar nicht mal sehr originell, tragen aber doch zum atmosphärisch geschlossenen, zurückhaltend heiteren Gesamteindruck des Abends bei. Der Tanz wirkt auf charmante Weise beiläufig, wie just passierend, er ist aber detailliert und fintenreich ausgearbeitet. Die Bewegungssprache hat nichts Abgenütztes, bezirzt vielmehr durch viele schräge kleine Einfälle. Eine übersichtliche, gleichberechtigte Schar – nachdem sich der „Schamane“ umgezogen hat, sind es zehn Tänzer – irrlichtert spielerisch und wie absichtslos durch den Raum; plötzlich wieder entstehen straffe Formationen, hier mal vier, dort mal sechs Darsteller. Dann nehmen alle lächelnd untereinander Kontakt auf, unterhalten sich ein wenig. Dann springen sie mit halb-martialischem Geschrei umher. Und ziehen sich auch mal um, von Wenig-mehr-als-Unterwäsche zu glitzernden Fantasiekostümen zu Trainingsklamotten (kein Kostüm-Verantwortlicher wird genannt).

Emanuel Gat gelingt hier so etwas wie die Quadratur des Tanzkreises: Zwar wird man „Sunny“ kein bestimmtes Thema und schon gar keine Handlung zuschreiben können, trotzdem scheint es nicht nur abstrakt zu sein, vielmehr Allgemeinmenschliches zu verhandeln. Vielleicht kann man sagen, es beschäftigt sich in weitgefasstem Sinn mit unserem Umgang miteinander. Dieser ist hier im Grundton freundlich, manchmal neckend, manchmal zu Gemeinsamkeit nett herausfordernd.

www.tanzplattformrheinmain.de

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