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Der alte, neue Frankfurter „Figaro“: Der Setzkasten zum Schlusstableau. Foto: Barbara Aumüller

Opernhaus

Liebe im Setzkasten

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Die Abstandsregeln bescheren der Oper Frankfurt einen „Figaro“, der so gut wie neu ist.

Es muss kurios zugegangen sein während der Vorbereitungen zur Wiederaufnahme von Guillaume Bernardis Drehbühnen-„Figaro“ von 2007. Offensichtlich stellte sich heraus, dass Bühnenbild, Inszenierung und Coronaabstandsregeln nicht miteinander zu verbinden waren, so dass Intendant Bernd Loebe vor der Vorstellung die für die Proben zuständige Caterina Panti Liberovici als neue Regisseurin und Bühnenbildnerin vorstellte.

Geblieben sind die sanft Commedia-dell’arte-haften Kostüme von Peter DeFreitas, die sich im flink hergestellten Bühnensetzkasten ausgezeichnet machen. Olaf Winter leuchtet ihn raffiniert und immer wieder überraschend aus. Überhaupt ist alles überraschend. Und es mag einmal vorkommen, dass sich der Herr Graf im Vorhang verheddert oder dass Figaro singt, bevor sein Kästchen sich komplett geöffnet hat. Aber insgesamt läuft es, und das frisch Improvisierte – alles, was an schwarzem Tuch zur Hand war, muss kreuz und quer die Kästchen abdecken – tut einer dermaßen durchinterpretierten, um nicht zu sagen durchgenudelten Oper wie Mozarts „Le nozze di Figaro“ gut.

Jeder also hat je ein Setzkastenkästchen für sich, zwei Etagen, auf denen das Ensemble lebhaft, aber nicht übermütig unterwegs ist. Hände der Liebenden treffen an Zwischenwänden melancholisch aufeinander, Feinsinn schlägt schieres Komödiantentum, auch wenn es von letzterem mit etwas mehr Routine ruhig ein wenig mehr sein dürfte.

Denn das Personal – interessanterweise ähnlich wie im aktuellen Wiesbadener „Figaro“ – ist überwiegend sehr jung, optisch geradezu perfekt und stimmlich geschmeidig und homogen über dem zärtlich aufspielenden Orchester mit Rory Macdonald am Pult. Gordon Bintner bittet den Grafen noch etwas sehr unaggressiv zum Tänzchen (vielleicht weil die Musik am Anfang insgesamt behäbiger wirkt, dann nicht mehr), ist aber der temperamentvollen Susanne, Bianca Tognocchi, ein fitter, entschlossener Partner. Reizend der Cherubino von Bianca Andrew, vehement Cecelia Hall und Anthony Robin Schneider als Marzelline und Bartolo. Ihre Kostüme bringen „Don Giovanni“-Stimmung mit, die auch musikalisch im Raum liegt. Es könnte böse enden, wird es aber nicht.

Die Grafens, Liviu Holender und Adriana González, sind stimmlich hochelegant und als echtes Paar leicht im Vorteil. Allein sie dürfen Händchen halten. Inhaltlich eine ulkige, geradezu bizarre Verschiebung. Im Graben, wie die Oper informiert, 21 statt der sonst 37 Orchestermitglieder. Transparenz, aber nicht Fadenscheinigkeit sind die Folge. Den gestrichenen Rezitativen, damit nach zweieinviertel Stunden alles vorbei ist, muss man keine Träne nachweinen, dem Chor aber schon.

Oper Frankfurt: 24., 26. September, 2., 9. Oktober. www.oper-frankfurt.de

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