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„Langer Atem“ am Schauspiel Frankfurt: Turritopsis nutricula

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Von: Sylvia Staude

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Zu zweit allein: Annie Nowak, Christina Geiße in „Langer Atem“. Foto: Robert Schittko
Zu zweit allein: Annie Nowak, Christina Geiße in „Langer Atem“. © Robert Schittko

Manja Kuhls Mini-Projekt „Langer Atem“im Foyer des Schauspiels Frankfurt.

Die zwei jungen Leute, die nach 13 Minuten stummem Spiel von den Stufen des Schauspiel-Foyers aufstehen und gehen, scheinen einen besonders kurzen Atem zu haben. Sie verpassen damit ganz knapp die ersten Worte, die in diesem Projekt der Schauspielerin und Regisseurin Manja Kuhl fallen, Titel „Langer Atem“, Länge 45 Minuten. Die interessanten Fakten des ersten kleinen Textes lassen sich allerdings auch im Programmblatt nachlesen: Die Qualle Turritopsis nutricula vermag sich selbst zu verjüngen, indem sie den Alterungsprozess in ihren Zellen einfach umkehrt.

Christina Geiße und Annie Nowak kann man also zunächst als zwei Frauen beobachten, die kümmerlich, aber immerhin mit Hometrainer wohnen (Bühne: Devin McDonough). Mal sitzt die eine auf dem Rad und liest Zeitung, mal die andere auf einem Klappstuhl und schält eine Orange. Und umgekehrt. Es gibt Kaffeemaschine und Kühlschrank, einen großen Plüschsessel. Man ist miteinander vertraut, teilt aber nicht den Musikgeschmack: Rio Reiser singt „Land in Sicht“, das Lied wird an-, dann ab-, dann wieder angeschaltet.

An der Wohnzimmer(?)-Wand werden mittels Green Screen Löwen und Giraffen zwischen Villen platziert, biegt sich ein kahler Baum in einer Wüstenlandschaft, schwebt später eine hübsch gepunktete Qualle (Video: Constantin Braml). Indessen unterhalten sich die beiden Frauen über zwei Personen, die entweder Dienstag oder Donnerstag, aber immer zwischen 20 und 21 Uhr vorbeigehen und doch eigentlich merken müssten, dass sie sich jeden Dienstag oder Donnerstag sehen. Nach Anweisung aus dem Off machen die zwei Akteurinnen Atemübungen. Christina Geiße wird auch ein bisschen metaphysisch. Annie Nowak sorgt durchaus für Amüsement, indem sie vorgibt, in die Sesselritze gezogen zu werden und an Kleingeld oder auch Kuchenkrümeln und Spielzeugautos vorbeizurauschen.

Und während sich Szenchen an Pantomime reiht, bleibt offen: Was hat die Qualle mit der Sesselritze zu tun? Und was die Atemübung mit Löwen? Wohin soll dieser „Lange Atem“ uns führen? Und wenn doch irgendwohin, wäre dann nicht ein rotes Fädchen ganz praktisch gewesen?

Schauspiel Frankfurt, Box: 12. April. www.schauspielfrankfurt.de

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