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Gavin und Barry bei der Priester-Nummer.

Freilufttheater

„Ladies Night“ in Bad Vilbel: Alles ist möglich

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Die Burgfestspiele Bad Vilbel starten mit „Ladies Night“ in eine kleine, aber propere Saison.

Fünfeinhalb Wochen Zeit blieb den Burgfestspielen Bad Vilbel, nach der allgemeinen Absage und der dann erfolgten Erlaubnis doch noch ein kleines Programm hinzubekommen. Ideen mussten her, Aufführungsrechte, Beteiligte mussten (was in dieser für die Freien der Branche so bitteren Saison womöglich noch am einfachsten gewesen sein könnte, aber trotzdem), und auch ein Hygienekonzept. Beim Wort Hygienekonzept werden Veranstalter vermutlich noch in Jahren Zitteranfälle bekommen.

Aber die Bad Vilbeler unter ihrem furchtlos wirkenden Leiter Claus-Günther Kunzmann zogen es durch. Zwei Eigenproduktionen für je 250 Menschen. Das ist gar kein kleines Programm. Das Wetter muss helfen, und es gab sich vorerst Mühe. Für die Bilderbuchatmosphäre noch eine genau halbe Mondscheibe. Wem das Bühnenbild, die große Drehwand mit dem Plakaten, die Podeste, bekannt vorkam: Nikolaus Porz hat es schon für eine andere Bad Vilbeler „Ladies Night“-Produktion gebaut (2007). Ein Kompromiss: Zwei Bühnenbilder, sagt Kunzmann, wären nicht mehr zu schaffen gewesen.

„Ladies Night – Ganz oder gar nicht“ hat es in der taghellen Hälfte zunächst etwas schwerer, die Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten gehört eher in ein trauriges Pub. Es ist eine triste Ausgangslage, aus der heraus nun der forsche Craig, Volker Weidlich, der kleine Norman, Lukas Schwedeck, der Sympathikus Barry, Raphael Köb, und der solide Gavin, Theodor Reichardt, sich zu einer Striptease-Auftritt entschließen. Sie brauchen das Geld, was soll man sagen.

Insofern ist das etwas hilflos Purzelige im ersten Teil ganz passend. Regisseur Christian H. Voss lässt es auch vergnügt ausspielen. Hinter der gewohnheitsmäßigen Mannhaftigkeit – das Stück spielt im Arbeitermilieu, das es im englischsprachigen Raum immer noch gibt, zumindest in den Köpfen – lauern Unsicherheit und die lähmende Angst vor Blamage. Vielleicht sind Männer noch genanter als Frauen, schwer zu beurteilen.

„Ladies Night“ handelt bekanntlich auch überhaupt nicht von Frauen, sondern ausschließlich von Männern – als robustes Korrektiv tritt Sonja Herrmann als Nachtchlubchefin Bernie auf –, nämlich von Männern und der Vorstellung, die sie von der Welt haben. Also in Bezug auf Frauen. Die Vorstellung, die Männer von der Welt unter Bezug auf Frauen haben, ist sicher sehr differenziert, divers und komplex, in „Ladies Night“ aber nicht. So dass sich das Publikum kaputtlacht, obwohl fundamentale Fragen behandelt werden. Zum Beispiel: Was wollen Frauen von Männern. Es sind schöne Momente, wenn Craig, Norman, Barry und Gavin geradezu nachdenklich werden.

Den Abend besucht man aber letztlich wegen des hinteren Teils, also wegen des hinteren Teils des Stückes. Jetzt findet die Show statt und die Show ist gut (Kostüme: Monika Seidl, Choreografie Kerstin Ried). Selbst Craig, unfassbar. Wie haben die das hingekriegt? Weil sie gute, ausgebildete Schauspieler sind, kann man lapidar sagen. Neben allem Gejohle, neben aller Ironie & Selbstironie liegt aber der Zauber des Gelingens über diesen Szenen, der Zauber der Möglichkeit, dass alles fabelhaft werden könnte.

Burgfestspiele Bad Vilbel: 3.-10., 16.-23., 31. August, 1.-7. September. www.kultur-bad-vilbel.de

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