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Die Darmstädter Mimi, hier Soojin Moon.
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Die Darmstädter Mimi, hier Soojin Moon.

„La Boheme“

„La Bohème“ in Darmstadt: In Eiseskälte

  • VonBernhard Uske
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Zwiespältige Inszenierung, überzeugende musikalische Ausführung: Puccinis „La Bohème“ in Darmstadt .

Giacomo Puccinis Oper in vier Bildern „La Bohème“ wartet am Staatstheater Darmstadt mit einer Rahmenhandlung auf, die sich ihren Inhalt aus einem speziellen Moment des Romans „Scènes de la vie de bohème“ von Henri Murger besorgt. Das ist jener Roman, den Puccinis Librettisten Giacosa und Illica zur bekannten Opernhandlung nutzten. Aus dramaturgischen Gründen einer unmittelbaren affektiven Einwirkung hatte man damals den Umstand unberücksichtigt gelassen, dass sich die vier Bohèmiens zur Zeit der Romanhandlung bereits als arrivierte Künstler im Modus retrospektiver, nostalgischer Anwandlung befinden. Die ärmlichen Dachstuhl-Existenzen zwischen Caféhaus und ungeheiztem Ofen sind da längst Vergangenheit.

Diesem Umstand verdankt sich das Darmstädter Bühnenbild von Stefan Mayer, das in der Mitte eines White Cube arrivierten Galerie- und Literaturhausbetriebs eine Installation im Glasgehäuse präsentiert. Sie drückt mit Röntgenbildern der Lunge und dem Mimi-Kostüm sowie den zwei Ms und Is einer Buchstabenskulptur als Mimi-Memento das Retrospektive und Nostalgische des Stoffs aus. Nach dem Modell „Feuerzangenbowle“ ein Erinnern und Gedenken der tollen und auch traurigen, aber eben schönen Tage von einst.

Als Mimi die Bühne betritt, löst sich die Rahmenhandlung partiell auf, bleibt aber präsent. So auch im zweiten, weihnachtsmarktlichen Bild, das steif und uninspiriert ist. Da nützen auch zwei umherstolzierende, gestrapste Transvestiten-Weihnachtsengel mit (aha: Kriegerisches droht!) Gasmaske und Helm nichts. Dem Aufgeräumten fehlt die Atmosphäre, und die grell gedachten Momente mit der koketten Musetta und ihrem Liebhabertölpel verstärken nur das Trübselige und angestrengt Witzige des Bilds.

Treffend dagegen dann das dritte, eine steil aufsteigende Schneelandschaft an der Zollstation, wo die Waren schleppenden, dick vermummten und auf und ab schleichenden Menschen einen bezeichnenden Rahmen für die Abkühlungen und Spannungen im Verhältnis Rodolfos und Mimis abgeben. Eiseskälte und ein Grenzgang in Unwirtlichkeit machen die Szenerie zum Höhepunkt der Aufführung. Zuletzt ist man wieder im White Cube des Beginns, der jetzt zur Todeskammer der schwindsüchtigen Mimi geworden ist. Der Kampf der Freunde aus alten Zeiten samt der koketten Musetta, die ihr gutes Herz ebenso zeigt wie die Männer ihre Unfähigkeit im Umgang mit der Sterbenden, beherrschen das Ende, derweil sich Mimi aus dem Staub macht.

Reichhaltige Tonsprache

Der durchwachsene Eindruck, den die Inszenierung Wolfgang Nägeles hinterlässt, wird gänzlich überlagert vom musikalischen. Johannes Zahn hatte in der zweiten Vorstellung die musikalische Leitung und bot einen sowohl harten und heftigen Puccini-Ton als auch einen der feinen und zarten Stimmungen. Zurückgedrängt war die sonst oft dominierende, sämige und streichersatte, bogenförmige Tongebung, was die Klangsprache des Komponisten reichhaltiger darstellte als üblich.

Blendend folgte das Orchester seinem Dirigenten. Auch der unsichtbar bleibende Chor in der musikalischen Fassung Jonathan Doves – besonders die weiblichen Stimmen – machte einen trefflichen Eindruck. Die für die Produktion doppelt besetzten Solistinnen und Solisten hatten sowohl in Gestalt Megan Marie Harts als Mimi als auch in David Lee als Rodolfo große Momente. Jana Baumeister als munterer Vogel der Musetta setzte ihren mit starker Höhenspitze versehenen Sopran markant ein. Die kleineren Partien mit Julian Orlishausen, Georg Festl und Johannes Seokhoon Moon waren gut besetzt.

Staatstheater Darmstadt: 8., 17. Oktober, 11., 20. November. www.staatstheater-darmstadt.de

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