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Na, kommt da mal was?

Glosse

Kulturkampf

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Ist es zu laut, bist du zu alt: Warten auf künstlerische Beiträge von rechts. Die Glosse.

Den Reflex, dass man das, was man nicht mag, gern weghaben, am liebsten verboten sehen würde, kennt wohl jeder. Laute Musik von nebenan zum Beispiel. Aber die Tatsache, dass ein anderer genau das eben besonders mag, verschafft diesem durchaus Rechte zu bestimmten Zeiten des Tages. Und manchmal helfen auch Argumente – wie die Postkarte, die meine Tochter neben ihrer Zimmertür angebracht hat: „Ist es zu laut, bist du zu alt.“

Die AfD mag die „Ideologie des Multikulturalismus“ (Grundsatzprogramm) nicht. Vor allem nicht, wenn sie in öffentlich finanzierten Theatern vertreten wird. Das ist bekannt, aber die Deutsche Presseagentur hat es jetzt noch einmal aus dem Munde des AfD-Kulturpolitikers Marc Jongen kolportiert, und tatsächlich lassen die Wadenbisse von AfD-Seite gegen die im Grundgesetz verankerte Deutungshoheit auf öffentlichen Bühnen durch die dort arbeitenden Künstler ja nicht nach.

Umgekehrt haben sich etliche Bühnen bereits der „Erklärung der Vielen“ angeschlossen, die sich dem Dialog mit Rechten prinzipiell verweigert, was als Selbstschutz verständlich ist, aber den demokratischen Umgang mit Andersdenkenden auch nicht gerade – trainiert, sagen wir es mal so.

So bleibt es ein Monologisieren, wenn Jongen klagt, „das politische Theater maße sich an, die moralisch zulässigen Antworten auf komplexe gesellschaftliche Debatten zu kennen. Wer diese Antworten nicht teile, dem werde auf der Bühne der ‚Schauprozess‘ gemacht“ . Wobei es den Rechten ja freisteht, mit eigener Kunst nach vorn zu treten, sich um Fördermittel zu bewerben und die alternativen Ansätze theatralisch zur Diskussion zu stellen. Na, kommt da mal was? Und wenn nicht – woran könnte das liegen? Dass Kunst nicht aus Enge und Vorgabe, sondern aus Öffnung und Möglichkeit entsteht vielleicht? Der Kulturkampf: eine Neiddebatte. Ist es zu bunt, bist du zu – blind?

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