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"Das Fieber"

Ja, es ist zum Kotzen

Wallace Shawns "Das Fieber" in den Landungsbrücken Frankfurt. Von Judith von Sternburg

"Das Fieber", ein Monolog des Autors und Schauspielers Wallace Shawn von 1990, bringt trotz des in der Tat fiebrigen Tonfalls ein paar Dinge auf den Punkt. Dass der Reichtum in der Welt (unserer zum Beispiel) aufbaut auf der entsprechenden Armut (in anderen Ländern zum Beispiel). Dass wir gerne gute Bücher lesen, ins Theater gehen, Freundschaften pflegen, während anderswo Menschen gefoltert werden, hingerichtet werden, verhungern.

Denn diese Suada handelt nicht von jenen, die es nicht besser wissen, nicht von gleichgültigen Spießbürgern, oberflächlichen Kapitalisten oder skrupellosen Profiteuren. Er handelt von Menschen, die sich für Politik und Kultur interessieren und sich nachdenklich nennen würden. Er handelt von uns. Unsere Eltern, erklärt der Mann, der schlaflos im Ausland in einem Hotelzimmer hängt, haben uns zwar Anstand und moralische Werte beigebracht. Die Armen sind dadurch aber keinen Deut reicher geworden. Über so etwas wird selten gesprochen. Es versteht sich von selbst und ist beunruhigend. Man kann damit leben.

In den Frankfurter Landungsbrücken macht sich der Schauspieler Linus Koenig auch nicht dicke damit. Er hockt vorne im Barbereich am Tresen, raucht Kette, trinkt Kaffee (der Barmann taucht bei Bedarf aus der Versenkung auf). Dazu isst er ein in Frankfurt produziertes Laugenhörnchen, fixiert uns, zählt die Abendeinnahmen. Niemand soll auf den Gedanken kommen, die Geschichte wäre weit weg und der smarte Typ nur irgendein Ami. Er redet weniger wie ein Wasserfall, eher wie ein langer ruhiger Fluss. Er tut nicht so, als sei ihm der Text eben zufällig eingefallen. Zwischendurch geht er nach nebenan, wo auf der eigentlichen Bühne eine einsame Toilette steht, und übergibt sich. Das kann man gut verstehen.

Dabei ist es ein gelungener Theaterabend, mit einem Darsteller, der seinem Text gewachsen ist, und einem Regisseur (Nenad Smigoc), der für gerade das rechte Maß an Bewegung sorgt. Dass Linus Koenig am Ende im Hintergrund noch ein wenig zur Gitarre singt, wirkt naiv. Aber was ist das gegen die Naivität der Theatergänger, die mal wieder ein bisschen über den Tellerrand schauen wollten. Um im Bild zu bleiben: Wallace Shawn und Linus Koenig haben uns ganz schön in den Teller zurückglitschen lassen.

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