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Das Publikum spricht für andere, auch auf diese Weise.
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Das Publikum spricht für andere, auch auf diese Weise.

Rimini Protokoll

„Konferenz der Abwesenden“: Phantomschmerzen und Schwarze Löcher

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Wer vertritt die fernen Experten? Wir, das Publikum. „Konferenz der Abwesenden“ von Rimini Protokoll im Frankfurt LAB.

Als man begriffen hat, wie es läuft bei dieser theatralen „Konferenz der Abwesenden“, stellt man sich die Frage: Machen die stark ausgedünnten Publikumsreihen es leichter, Leute zu finden, die bereit sind auf die Bühne zu treten? Weil der oder die einzelne begreift, dass er oder sie jetzt mal ranmuss? Oder würde es ein voller Zuschauersaal noch besser flutschen lassen? Diese Zuschauerin neigt zu Ersterem, denn am Donnerstagabend im Frankfurt LAB galt es, sich sichtbar zu verweigern, wenn man nicht eine der neun Personen vertreten wollte, deren Statements die Theatermacher von Rimini Protokoll zusammengetragen hatten. Da steht man lieber auf, sagten sich ziemlich flott vor allem jüngere Leute.

Der zweistündige (mit äußerst schleppendem Einlass zweieinhalbstündige) Abend dreht sich in freien, großen und kleinen Kreisen um allerlei Abwesendes. Zuallererst um ein Loch, in dem die Bergbauingenieurin Tujara Anatoljevna jahrelang die Nachtschicht gearbeitet hat beim Diamantenabbau. Das Loch befindet sich nahe dem sibirischen Mirny. Dann geht es um Schwarze Löcher, Femtosekunden (14 Nullen hinterm Komma), aber vor allem um den Physiker Karl-Heinz Pantke, der so heftig vom Schlag getroffen wurde, dass er zunächst völlig in sich eingeschlossen war: Man nennt das Locked-in-Syndrom. Er lernte, sich mittels Blinzeln zu verständigen.

Souveräne Laien treten auf

Rimini Protokoll, das sind Helgard Haug, Stefan Keagi, Daniel Wetzel, sind bekannt geworden mit Theaterabenden, bei denen sie Expertinnen und Experten auf die Bühne brachten. Man konnte oft nur staunen, wie souverän diese Menschen, denen die Schauspielerei fern lag, ihr Wissen und ihre mit Rimini erarbeiteten Texte präsentierten.

Die Corona-Situation dürfte es gewesen sein, die zu einer anders gearteten Performance-Situation für und mit Laien führte. Denn (fast) niemand soll für die „Konferenz der Abwesenden“ ins Flugzeug oder auch nur den Zug steigen müssen. Auftreten, andere vertreten müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer, die sowieso gekommen sind. Das klappt am ersten Frankfurter Abend verblüffend gut, nie wird es irgendwie peinlich. Oft aber berührt es.

Der Oberarzt Sascha Tafelski, der in der Berliner Charite in der Schmerzambulanz arbeitet und von den Phantomschmerzen Amputierter berichtet, wird also auf der Bühne vertreten. Auch der Holocaust-Überlebende Salomon Perel, dessen wahres Ich unter Nazi-Herrschaft abwesend sein musste – er gab sich als „Volksdeutscher“ aus. Dazu die aus Ostafrika geflüchtete Bahati, die auf Samos ausharren muss. Die Astronautin-Trainee Suzanna Randall, die dafür trainiert, eine Weile abwesend zu sein von dieser Erde. Dazu der US-Amerikaner Les U. Knight, Gründer des Voluntary Human Extinction Movements: Er wirbt dafür, dass der Mensch aufhört sich fortzupflanzen, dass Homo sapiens, um aller anderen Lebewesen willen, seine vollständige Abwesenheit anstrebt.

Mousonturm im Frankfurt LAB: noch heute, Samstag, um 15 Uhr und 19.30 Uhr. www.mousonturm.de

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