Gallustheater

Konduettina: Ein quietschmobiles Opern-Einsatzkommando

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Das Trio Konduettina bietet im Frankfurter Gallustheater „Opernkäs’ mit Musik“.

Unvergleichlich sind die drei Damen von „Konduettina“ zwar nicht. Opernparodie von Kabarett-Flair in Frankfurt und auf dem ganzen hessischen Globus treibt etwa auch die „Fliegende Volksbühne“. Umso schöner, wenn es so etwas zweimal gibt, und auf so hohem Level! Denn mit dem Bonmot „Es singt: das Niveau“ liegt Martina Schmerr, die Pianistin und hessisch babbelnde Moderatorin von „Konduettina“, ja ganz falsch. In gut zwanzig Jahren „Konduettina“, ihrem zweitem Jahrtausend also, hat sich der Ruhm so weit herumgesprochen, dass der Andrang ins Gallustheater überwältigend ausfiel. Die Stimmung beim Publikum war sogar noch ausgelassener.

Als „Best of uff Tour“ brachte „Opernkäs’ mit Musik“ viele Glanznummern aus früheren Programmen. Man kann die Damen nur bewundern, wie sie neben alledem noch in bürgerlichen Karrieren stecken. So heißt Carmen Kühnhals im realen Leben Kerstin Kuschik und coacht als Heilpraktikerin und Buchautorin jedermanns Stimme, Präsenz und Kreativpotential, derweil Bettina Hackenspiel alias Brunhilde von Krudewitz und Martina Schmerr (alias Marta Pfahl: da lacht Karl May im Grabe) in Schule und/oder Gewerkschaft zugange sind. Ein tolles Trio gewitzter Damen war das nun, deren zahlreiche Frivolitäten oft mehr auf weibliche Zuschauer gemünzt waren und doch bei allen ankamen.

Von der Schwiegermutter-Melodie aus „Carmen“ an dominierte das Trio in Bonbonfarben, das schier Glücksfeen glich (Schmerr in Rosa, Kuschik in Türkis, Hackenspiel in Rottönen), die Bühne und zauberte alle Schwellenangst fort, indem es die Zuschauer opernpädagogisch gewitzt als Nichtswisser anpflaumte. Armer Herr Christof! Die lose Fiktion lautete wie ehedem, die große Oper habe die Sängerinnen Brunhilde und Carmen nach Prüfung durch fiese „McGrinsey“-Berater outgesourct und ins Mobile Opern-Einsatzkommando Frankfurt („MOEKF“) mit eigenem Opernmobil gesteckt, um ultranah ans Volk zu kommen.

Mit veganem Halali

Ein „veganes Halali“ rettete alsbald den verpönten Schatz an Jagdmusik und animierte das Publikum („Wo Sie gerad so da sind...“) zum Mittun bei der Hatz auf Blaubeeren. Ob das Zahlenwerk des „Opern-PISA“, wonach siebzig Prozent der Hessen Tannhäuser für eine Grillhütte und Rigoletto für eine Reisspeise halten, stimmt?

Unter die Konduettina-Höhepunkte zählten die Schweizer Jodel-Nummern, was weder dem hackedichten „Traviata“-Trinklied noch der stark animierten Königin-der-Nacht-Arie von Kuschik mit Vampirflügelchen als HipHop-Hook („Hölle, Hölle! Autsch!“), weder den singenden „Barcarole“-Eizellen in der Spermien-Dürre noch dem chorlosen Gefangenenchor aus „Nabucco“ Abbruch tat. Schön auch, wie Frau Pfahl Otellos Worte des Schmerzes gestisch ins Hessische brachte: „Horschtema, verarsche kann isch misch selbä.“ Wohlgesprochen, Marta Pfahl.

Gallustheater:weitere Termine geplant. www.gallustheater.de

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