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Joachim H. Luger und Jessica Kosmalla: Den kriegt sie schon zahm.

Komödie Frankfurt

Komödie Frankfurt: Sie lässt ihn sogar gewinnen

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„Wie man fällt, so liebt man“: In der Frankfurter Komödie muss ein Witwer unter die Haube gebracht werden.

Ein Mann, der Witwer geworden ist, muss dringend wieder eine Frau finden – das ist Liebeskomödienregel Nummer eins. Liebeskomödienregel Nummer zwei: nach einem oder mehreren Fehlversuchen wird ihm die Richtige quasi vor die Füße fallen. Was er aber erst erkennt, wenn er sie (fast) verliert. Kleine Variation in Donald R. Wildes „Wie man fällt, so liebt man“: Nicht sie, sondern er stürzt (ausgerechnet auf der Flucht vor dem, nun ja, Fehlversuch), bricht sich das Bein, braucht erstmal eine Haushaltshilfe.

Und 74 ist das neue 60

Hausherr Claus Helmer hat „Wie man fällt ...“ in der Frankfurter Komödie nun selbst inszeniert, mit routiniertem Zugriff und munteren Darstellern. Vielleicht im Fall Wilson Reddys, Joachim H. Luger, ein wenig zu agil: Diesen fitten, bei 30 Grad noch joggenden 74-Jährigen möchte Sohn David unbedingt umziehen – vielleicht nicht gleich in ein Pflegeheim, aber doch irgendwohin, wo er unter Aufsicht ist? Dabei ist 74 inzwischen das neue 60 („Ich warte immer noch auf meine Midlife-Crisis“, behauptet Wilson gar) und hat der Best-Ager ohnehin beschlossen, dass man ihn nur mit den Füßen voraus aus diesem Haus trägt, in dem er so lange mit seiner Frau gelebt hat.

Eine gediegen bürgerliche Wohnung mit hell getäfelten Wänden deutet Tom Grasshof, Bühne, an. Ein einziges Mal muss für Wilsons Ausflug in ein Restaurant (Treffen mit dem Fehlversuch!) umgebaut werden, was sparsam geschieht. Umso herzhafter der Zugriff Bellas (im offensiven Leopardenmusterkleid, Kostüme Heike Korn), die den adretten 74-Jährigen auf dem Restauranttisch „fast vergewaltigt“ (Wilson).

Von gut abgehangener, gleichsam gipsbeiniger Art sind die Scherze dieser Komödie. Man findet keine Inszenierungen von „Wie man fällt...“ oder „Hello, Love!“ (Original) in den letzten Jahren, was kein Wunder ist: Dem Stück fehlt diese gewisse Spritzigkeit und Bosheit, die noch die klischeehafteste Handlung über die Runden bringen kann.

Nach dem Malheur mit der übergriffigen Bella, Barbara Bach, tritt als mildere Mary Poppins also Caroline in Wilsons Leben, kocht toll, hält tipptopp sauber, kann sogar Schach spielen (und lässt ihn gewinnen). Jessica Kosmalla (am Sonntag ist sie im neuen Hamburg-Tatort zu sehen) zieht nur die Augenbrauen hoch, lässt sich von Grantelei nicht die Marmelade vom Croissant nehmen, gestattet sich höchstens die „Ochsenbrust!“ als kulinarische Anspielung, welcher Art der Mann ist, der da vor ihr sitzt. Das muss was werden.

Zwei besorgte Söhne stellt Wilde an Wilsons Seite. Pascal S. Grote ist Jess, sonnenbebrillt und locker im Vergleich zu seinem älteren Bruder David. Den spielt Gabriel Spagna tatsächlich als „mit Nadelstreifen auf die Welt gekommen“ (Wilson macht einen der besseren Scherze des Abends). Während freilich die Jungs noch überlegen, was mit einem bald wieder gips- und Caroline-losen Dad geschehen soll, hat der schon andere Pläne.

Komödie Frankfurt:bis 22. März. www.diekomoedie.de

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