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Väter & Miesepeter: Balder, Busse, hinten Maike Bollow. Die Komödie
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Väter & Miesepeter: Balder, Busse, hinten Maike Bollow. Die Komödie

Komödie Frankfurt

„Komplexe Väter“ von René Heinersdorff: Empfindlich wie Cyrano

  • VonMarcus Hladek
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René Heinersdorff ist nicht nur Autor dieser „Komplexen Väter“ in der „Komödie“, er führt auch Regie und spielt den Therapeuten Björn. Überdies hat er das Bühnenbild erdacht.

Wie oft im Falle boulevardesker Komödien, die uns nicht gleich mit ihrem Kunstanspruch an die Gurgel gehen, gleicht die Szenerie einem bürgerlichen Interieur à la „Schöner wohnen“. Helle elegante Lichtwände mit japanischem Touch wachsen, um die Spielfläche gestaffelt, aus schweren Gusssteinelementen.

Auftritte führen links zur klingelnden Haustür, hinten in den unbestimmten Rest des Appartements; die Wandhalter dienen zur Ablage für die Grissini der friedensstifterischen Hausmutter Ute, den Champagner vom 55-jährigen Freund der 25-jährigen Tochter und Gast Björn und die einsam-stolze Rose, die im kleinlichsten Zoff noch an Liebe erinnert. Die Steinbank in der Mitte zwingt Figuren zusammen, die sich eigentlich spinnefeind sind, wie die Väter Nadines (Farina Violetta Giesmann): der biologische Vater Erik (Hugo Egon Balder) und der väterliche Erzieher Anton (Jochen Busse).

Eingeladen zur großen Versöhnung, sind die beiden alsbald von der Altersdifferenz geschockt und glauben, Nadine vor Björn, einem Therapeuten, retten zu müssen. Dabei sind beide selbst deutlich älter als Nadines Mutter Ute (Maike Bollow), deren Techtelmechtel mit Erik Jahrzehnte zurückliegt. Mit ehelicher Treue nimmt es hier auch niemand genau, weshalb die abwesende Frauenärztin Dr. Orlova zu erwähnen bliebe, die Björns Ehefrau und Eriks Freundin ist.

Robuster Klartext

Für Verwirrung ist also gesorgt. Heinersdorff als Autor-Regisseur richtet kontrastreiche Figuren ein, angefangen beim hypochondrischen Anton, der in Bezug auf seine Nasen-OP ähnlich empfindlich ist wie einst Cyrano. Ein bisschen etepetete unter Utes Fuchtel ist er auch, was Busse routiniert verdattelt bedient. Balders Erik setzt sich mit der Neigung zu robustem Klartext von ihm ab, was die Co-Väter nicht hindert, ihre Leidensgenossenschaft zu entdecken und gegen Björn zu richten. Kein Wunder, dass Andrea Gravemann (Kostüme) beide ähnlich einkleidet: Busse eher soigniert, Balder legerer.

Herausgehoben ist das neunzigminütige Treffen dadurch, dass sich manche Figuren nicht riechen können und lang nicht zu Gesicht bekamen. Nun also doch: dank Utes hausmütterlicher Instinkte, die in Maike Bollows Mache Chaos stiften. Giesmann als Nadine ist ihr Küken, das mit sich zu kämpfen hat, bevor es ruckzuck flügge wird und ihren allzu väterlichen Freund entsorgt. Gut, dass sie da ist, sonst wären nur alte Böcke unter sich.

Heinersdorff schreibt sich als komischen Vogel ins eigene Stück ein. Als Björn trägt er einen lächerlichen, beige-braun karierten Anzug zur Weste, rote Krawatte und Brille. Therapeuten-Marotten setzen die Selbstironisierung fort. Den Höhepunkt erreicht sie, wenn er, der Therapeut/Regisseur, Anton und Erik zu Psycho-Rollenspielen nötigt, als wären sie Paradepferde.

Ernstes in leichter Form

Als Zuschauer darf man diesen seeeehr alten Freund dafür verurteilen, dass er mit 53 im vollen Wissen über den Mechanismus der Affektübertragung seine 23 Jahre junge Patientin Nadine an sich gefesselt hat. Als Autor-Regisseur lenkt er mit diesem zwielichtigen Bühnen-Ich schlau die Blicke ab und gewinnt den Freiraum, um ernste Problem- und Seelenlagen in leichte Form zu gießen, und setzt die Darsteller nach Talent ein. Das macht diese „Komplexen Väter“ tatsächlich ein Stück komplexer, als es so leichten Komödien in die Wiege gelegt wäre.

Die Komödie Frankfurt: bis 24. Oktober. www.diekomoedie.de

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