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„Reporter“

Kellertheater Frankfurt: Spiel mit der Wahrheit

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Das Frankfurter Kellertheater zeigt einen Boulevard-Journalisten in der Sinnkrise.

Die Berge! Das Meer!“ Heinz Messer muss sich selbst erst überzeugen, dass er nun im Urlaub ist. „Weiter weg kann der Job doch gar nicht sein.“ Doch im nächsten Moment schlägt der ehemalige Chefreporter der Boulevardzeitung „Blitz “die mitgebrachte Ausgabe auf. Messer wurde gerade von seinem Arbeitgeber gefeuert. Er hatte eine von der Polizei versiegelte Tür aufgebrochen, um an gute Bilder zu kommen. Dank hoher Abfindung kann er nun Urlaub machen und sitzt mit Drinks im Hawaiihemd am Pool.

Auf die Neuen schimpfen

Im Monolog „Reporter“, geschrieben von Hauke Brost und unter der Regie von Vera Bernhardt im Kellertheater Frankfurt zu sehen, können wir Messer (Alexander von Winterscheidt) nun dabei beobachten, wie er seine Zeitung nicht loslassen kann.

Er passt nicht mehr zur Zeit und zur Zeitung, die sich erstaunlich schnell verändert haben muss. Messer schimpft auf „Political Correctness“ und auf die neuen Reporter und Reporterinnen („Alles Luschen außer Messer“). Er erinnert sich genüsslich daran, wie er Menschen betrogen hat, um Fotos zu bekommen, und wirft gleichzeitig die Frage auf, was im Medienbusiness eigentlich erlaubt sein sollte, um dem Publikum die „Wahrheit“ schmackhaft zu machen („Die ungeschminkte Wahrheit ist total langweilig“). Und als Messer die „Bild“, äh „Blitz“, verteidigt, kommt die FR, nun ja, „Frankfurter Umschau“ nicht gut weg.

Alexander von Winterscheidt ist die Euphorie anzumerken, endlich wieder vor „echtem“ Publikum zu spielen. Mit viel Energie schwankt er zwischen dem ehemaligen Reporter, der mit vollem Hand- und Fingereinsatz gestikulierend von seinen „unmoralischen“ Kumpels erzählt, zum Menschen, der verzweifelt weinend die Zeitung im Arm wiegt, um im nächsten Moment im lilafarbenen Licht mit Cheerleading-Puscheln herumzuhüpfen.

So glaubwürdig, wie Winterscheidt sie verkörpert, so klischeehaft wirkt die Sinnkrise eines mittelalten Mannes, der, aus der Routine geworfen, plötzlich merkt, dass er keine wahren Freunde hat, schon zuvor von seiner Frau verlassen wurde und dann auch noch feststellt, dass uns überraschenderweise allen die Zeit davonläuft.

Doch wer das Stück nicht als die Abrechnung des Autors und ehemaligen „Bild“-Journalisten Brost mit der „heutigen Zeit“ sieht, sondern als Reflexion über Wahrheit und Moral, kann durchaus etwas mitnehmen. Zum Schluss spielt „Reporter“ noch mit der Theater-Wahrheit: Stimmt das eigentlich, was wir jetzt über Heinz Messer zu wissen glauben?

Kellertheater Frankfurt: 27. Juni. www..kellertheater-frankfurt.de

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