Sommerprogramm

Das kleine Einmaleins

  • vonBernhard Uske
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Die Kammeroper Frankfurt bietet den „Glücklichen Betrug einer Opernproduktion“ mit anschließenden Nachspielen.

Hätte es nicht Daniel Stratievsky gegeben, den musikalischen Leiter der Kammeropernpremiere im Corona-Sommer 2020 im Palmengarten – das einstündige Programm in der Orchestermuschel wäre nicht mehr als ein bemühtes Potpourri aus einigen Repertoire-Schmankerln Wolfgang Amadeus Mozarts sowie Stücken aus einer Rossini- und Lortzing-Oper gewesen. Des Italieners „L’inganno felice“ und des Deutschen „Die Opernprobe“ hatten ursprünglich das diesmalige Programm auf Frankfurts kleinem Grünem Hügel an der Beethovenstraße sein sollen.

Abstandsregeln verderben die Sitten der auf Herzschmerz-Liebesleid geeichten Operngeschmacklichkeit, wie sie die Publikumsszene um Rainer Pudenz, den Spiritus Rector der Kammeroper, schätzt. Sich bedeckt haltend, kein Körperkontakt, kein Singen Mund an Mund und Brust an Brust – das ist die neue ästhetische Manierlichkeit. Und so war es eine aus der Not geborene Idee, dem besonders die Oper treffenden gegenwärtigen Bruchwerk-Charakter darstellender Kunst ein Deckmäntelchen überzuwerfen. Was dem vom Klavier aus leitenden Dirigenten a.D., Stratievsky oblag. Seine gewinnende und gewitzte Conférence, die den Titel „Der glückliche Betrug einer Opernproduktion“ trug, nutzte die Duette- und Arienfolge, dem Publikum das kleine Einmaleins des Wort-Ton-Verhältnisses in Sachen Oper und Lied zu verklickern.

Natürlich die reinste Ironie

„Wie schmeckt eine Oper“ lautete das Motto des Abends – eine Ironie schlechthin, war doch das zentrale Element steigerungsfähiger Klang-Energie in Gestalt des Orchesters schlichtweg nicht vorhanden. Einiges wett machte der plausible und präzise Einsatz der Arien-Beispiele, die der 1986 in St. Petersburg geborene und in Israel und München ausgebildete musikalische Leiter von seinen Solisten präsentieren ließ. Eine Happy-New-Ears-Atmosphäre für die Freunde der Opernunterhaltung mit Einblicken in Risiken und Nebenwirkungen gelingender und misslingender Klang- und Silbenmixturen. Man agierte in der coronatauglichen Züchtigkeit, und hätte auch sicherlich ein wenig mit der Maske – dem antiken theatralen Element, das vom Virus dem zeitgenössischen Lebensgefühl wieder erschlossen wurde – spielen können. Es blieb aber bei kammeroperngewohnter Bekleidung als Blickfang. Vokal gestaltet wurde von Jana Degebrodt und Ingrid El Sigai mit schönem, weichem Stimmvolumen. Die Herren wirkten ein wenig blasser, wenngleich ihre vokale Stabilität (bei Thomas Peter, Ralf Simon und besonders Timon Führ) groß war.

Dem kalorienreduzierten Kochkurs folgte unter dem Motto „Lovesongs, Canzoni d’Amore, Liebeslieder!“ ein Postludium in Gestalt eines eine halbe Stunde währenden Liederabends. Bestritten vom Tenor-Bariton-Duo Timon Führ und Theodore Browne. Zwei junge Sänger, die über ein fesselndes Artikulationsniveau verfügen und ihre sättigenden und doch nicht großmächtigen Stimmen in einem Programm gehobener klassisch-romantischer und schlager-popartiger Provenienz entfalten konnten. Mit „Operndämmerung“ und „Eine kleine Sehnsucht braucht jeder zum Glücklichsein“ werden andere Sänger den Kammeropern-Liedernachklang der beiden folgenden Opernbetrugs-Aufführungen bestreiten. Dann geht es dabei um Richard Wagner und Friedrich Hollaender.

Kammeroper Frankfurt im Palmengarten: 5., 7., 21. August, letzterer Termin mit Überraschungsnachspiel. Weitere Sommerkonzerte der Kammeroper unter www.kammeroper-frankfurt.de

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